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 Der Schatz von Högaröd

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BeitragThema: Der Schatz von Högaröd   Di März 22, 2011 8:00 pm

Diese Geschichte beruht auf einer Sage aus Småland. Dort gibt es in der Nähe des kleinen Ortes Kånna einen 3500 Jahre alten Grabhügel aus der Bronzezeit. Schon um die Entstehung geht die Geschichte, dass alle Männer, welche zur Beisetzung kamen, einen großen Stein mitbrachten und dort niederlegten. So entstand auf diesem Hügel, umgeben von Wald, ein eindrucksvolles Grab. Und warum sollten dort keine wertvollen Gaben verborgen sein?

Magnus Johannson zog den letzten Riemen am Geschirr seines kleinen braunen Brun fest. Er hatte als einziger im Ort einen Wagen, der den Schatz, welcher sicher dort oben auf sie alle wartete, fortschaffen konnte.

Die Sonne ging gerade erst auf und seine Frau Skea hatte ihm eine ordentlich große Portion Brei mit Bohnen bereitet. Heute, so dachte Magnus, heute würden sie es allen spöttelnden Nachbardörfern zeigen. Der Schatz würde ihrer sein. Der heilige Ivar selbst hatte schließlich dem Ort seinen Segen gegeben und galten seine Worte denn nichts?

Johann sah auf und erblickte Per, seinen Nachbarn, den Weg herauf kommen. „Hej“, nickte er ihm zu und nahm Bruns Strick auf. Per war der zaghafteste von allen Männern des Dorfes. Zumindest wenn es um die alten Wesen ging. Was an sich kein Wunder war. So war doch die alte Birte seine Großmutter. Aber da war man sich nicht so sicher. Denn keiner kannte ihr genaues Alter. Irgendwie war sie schon immer da gewesen und jeder ging zu ihr, wenn der Pfarrer oder Ivar, der alte Pastor, nicht weiter wussten.

Verstohlen warf Magnus noch einen Blick auf die Schale mit Milch, welche versteckt hinter der Scheunentür bereit stand. Er und Skea konnten sich glücklich schätzen. Ihr Tommte war ein guter. Er neckte sie nicht und half sogar beizeiten. Seit Jahren nicht eine Missernte. Natürlich beteten sie brav in ihrer Kirche. Doch dann gingen alle nach Hause und hielten nach ihrem Tommten Ausschau.

„Seid ihr euch sicher?“, unterbrach Per die morgendlich Stille. Energisch nickte Magnus. „Es gibt keinen Drachen. Hast du ihn je gesehen?“ Per sah hinauf zu den Wäldern, welche den steinernen Hügel umgaben. „N...nein. Aber er soll ja auch erst erscheinen, wenn man dem Schatz zu nah kommt.“


„Unsinn“, erwiderte Magnus und wie er hoffte energisch genug, „in all den Jahren hätte doch einer ihn sehen müssen.“ „Aber das hat dann doch sicher jemand. Sonst wüssten wir
doch nicht davon.“ Magnus knurrte unverständliches und stapfte weiter den Weg
mit Brun hinter sich her ziehend.

Keine Stunde dauerte der Weg am Fluss Lagan entlang. Die gerade mal fünf Kühe des Ortes standen mit ihren Beinen in der Böschung und soffen aus dem träge dahin fließenden Lagan. Der Knabe, welcher sie hütete, stand aufmerksam bei ihnen. Schließlich hatte er gewusst, dass die Männer heute hinauf zum Hügel wollten.

Magnus rief einen Gruß hinüber und wartete doch keine Antwort ab. Seine Muskeln begannen sich anzuspannen. Dort am Pfad standen schon einige der anderen Männer. Sie hatten Werkzeuge bei sich. Magnus hielt vor ihnen und sah sich um. „Wer fehlt noch?“ Karl deutet hinter Magnus. „Arngrimm kommt mit seinen Söhnen. Dann sind wir vollzählig.“

Die Männer begrüßten sich stumm. Magnus übergab Per den Strick. „Ich...ich soll hier alleine...?“ „Möchtest du mit hinauf kommen auf den Hügel?“ Fragend zog Magnus die Augenbrauen hoch. Per warf einen gehetzten Blick auf den Hügel. Dann schüttelte er den Kopf. Den Strick Bruns um die Finger kordelnd sah er den davon gehenden Männern hinterher. Dann begann er Brun zu kraulen. „Es ist falsch, weißt du? Ganz furchtbar falsch.“ Brun schnaubte und zerrte Per zum Grasstreifen.

Magnus warf einen Blick auf die Steine, welch sich zu einem Grabhügel häuften. Wie oft hatte er schon mal einen in der Hand gehabt und grübelnd betrachtet. Schweigend machten die Männer sich an die Arbeit. Ohne ein Wort waren sie überein gekommen, dass der Schatz sicher in der Mitte des Grabhügels wäre.

Stunden vergingen. War einer erschöpft, war sofort einer der anderen zur Stelle um den Platz einzunehmen. Nur kurze Sätze flogen hin und her. Der Wasserschlauch wurde herum gereicht.

Schicht um Schicht legten sie frei. Ein Kribbeln befiel die Männer auf dem Högarör. Ein fiebriger Glanz war in ihren Augen zu erkennen. Trozt keuchenden Atems konnte Magnus nicht mehr von der Stelle lassen. Der Schweiß rann ihm den Rücken herab. Und dann stockte er. War da nicht ein Glimmen? Hatte die Hacke nicht einen anderen Klang von sich gegeben?

Magnus warf die Hacke hinter sich, hockte sich nieder und grub hastig mit den Händen weiter. Sein Atem ging keuchend. Mit den verdreckten Händen strich er die Haare zurück doch das interessierte ihn nicht. Die anderen Männer wurden aufmerksam. „Magnus?“, Karl beugte sich zu ihm hinunter. „Ich...da...ich glaube...“ Magnus konnte seine Erregung
nicht verbergen.

Arngrimm sprang mit seinen Söhnen zu ihm herunter und packte mit an. Dann erhoben sich alle zur gleichen Zeit. In ihren Händen war ein sanfter Schimmer zu erkennen. „Der Schatz“, flüsterte Karl.

Ein ohrengellender Schrei ließ die Männer hoch fahren. Vor Schmerz schrien sie auf und hielten sich die Ohren zu. Magnus, Arngrimm und seine Söhne kletterten hastig aus dem Loch. Ein dunkler Schatten zog schreiend über sie hinweg. Stürmisch peitschte die Luft um sie herum und die Baumwipfel beugten sich.

„Der Drache“, keuchte Arngrimm.
„Bei allen Heiligen“, stöhnte Magnus, „er fliegt ins Dorf.“ Die Männer waren starr vor Angst. Ihre Köpfe ruckten herum, als sie von hügelabwärts Schreie vernahmen.
„Per!“, schrie Magnus und rannte den Hügel hinab.

Wild hüpfte Per um Brun herum.
„Feuer! Feuer!“, konnte Magnus ihn endlich verstehen und sah wohin Per in aller Angst immer wieder deutete. Das Blut wich aus seinem Gesicht. Die anderen Männer taten
es ihm nach. Ihre Münder standen offen.

„Nun macht etwas. So tut doch was!“, immer noch hüpfte Per um sie herum. „Bei allen Tommten! Das Dorf brennt! Bewegt euch!“

„Ja“, brachte Magnus endlich hervor, „Skea!“ Er sprang auf den Bock und hieb auf den völlig verdutzten Brun ein. Die Männer rannten schnell ihm nach und sprangen auf.
„Skea, bitte oh bitte verzeih mir“, schluchzte Magnus. Immer kräftiger holte er aus und der Wagen drohte mehr als einmal zu stürzen.

Endlich die letzte Biegung und scharf ruckte Magnus Brun zum Stehen. Das Dorf lag friedlich in der Dämmerung. Einige Hühner scharrten. Zwei Hunde bellten.
„Magnus? Ward ihr erfolgreich?“
Magnus wandte den Kopf und sah Skea mit der frisch gemolkenen Milch von der Weide kommen.

„Wie kann das sein? Skea! Es brannte hier. Wir sahen es!“
Magnus fuhr herum und auch die anderen liefen fassungslos zu den unversehrten
Häusern und Höfen.

„Ein Trick“, war Per zu vernehmen, „der Drache hat uns reingelegt.“
„Der Dra..? Nein! Es ist ein Bestie, es kann uns nicht reinlegen.“ Magnus schrie es in den beginnenden Abendhimmel.
„Der Schatz.“ Unruhig trat Arngrimm von einem Fuß auf den
anderen.

Die Männer sahen sich nur kurz an, dann rannten sie los.
Brun ließen sie zurück in Skeas Obhut. Seine schweißnassen Flanken pumpten noch
immer vom Galopp zurück ins Dorf. Nun waren es die Männer selber, welche den
Weg rannten. Doch der Gedanke an das schon in den Händen gehaltene Silber feuerte sie noch einmal an.

Die letzten Meter meinte Magnus sein Herz würde seine Rippen bersten. Pfeifend sog er die Luft in beengten Zügen ein. Er stolperte und suchte Halt an den Baumstämmen. Endlich sah er es. Die anderen waren bei ihm. Mehr hörte er sie, als das er sie
sah.
„Oh gütiger Jesus“, keuchte Karl, „hilf uns.“

Dort saß es.
Die Flügel überspannten die umliegenden Baumwipfel. Steine zerbarsten unter den Klauen. Die Augen waren so finster, dass sich sämtliches Licht darinverlor. Und diese Augen fixierten die Männer, bannten sie.

Der Schweif peitschte die dahinter liegenden Bäume und ließ sie stürzen wie morsche Zaunpfosten.

Das Maul öffnete sich und Magnus meinte nie solch ein Grauen bei einem Laut gehört zu haben und hoffte nie wieder einen solchen zu vernehmen. Keiner der Männer konnte sich rühren. Als der Schrei abebbte war nur noch das Knirschen der aufeinander schabenden Schuppen zu vernehmen.

Dann brach das Feuer hervor. Es gleißte, blendete und der Drache zog eine flammende Grenze zwischen den Männern und dem Grab.
Als die Augen sich endlich an das Licht gewöhnt hatten, war die Bestie fort.
„Ein Trick? War das auch ein Trick?“, flüsternd drehte Magnus nur leicht den Kopf zu den anderen.

Arngrimm zog die Schultern hoch und stapfte voran. „Es ist ein Trick“, murmelte er immer wieder vor sich hin. Die anderen Männer sahen ihm offenen Mundes nach bis er die Flammen erreichte. Hier schien er zu zögern.
Und dann tat er den nächsten Schritt.
Und sprang zurück.

Magnus rannte zu ihm und betrachtete die versengte Hose. „Er hat uns verschont. Die Bestie hat uns eine deutliche Warnung hinterlassen.“ Er zögerte. „Lasst uns nach Hause gehen.“ Er suchte Zustimmung in den Gesichtern der anderen Männer.
„Nein!“ Karl trat rückwärts und deutete zum Grabhügel. „Er
liegt dort. Ihr habt ihn gesehen. Er wartet nur auf uns.“

Doch keiner rührte sich.

Magnus schüttelte den Kopf. „Es ist vorbei. Der Drache hat uns doch deutlich genug gewarnt.“ „Feiglinge!“, schrie Karl. „Ihr elenden Feiglinge. Ihr seid es gar nicht wert. Ich“, seine Hand schlug auf seine Brust, „ich allein werde den Schatz heben und dann ist er mein. Mein!“

Magnus schüttelte den Kopf. Ihr Pastor hatte schon oft gewarnt vor solchen Verlockungen, doch hätte er es nie für möglich gehalten, das jemand wir Karl diesem tatsächlich verfällt.

Karl rannte um den Feuersgraben herum und kam zum Grab. Dort begann er die Steine zu wenden, zu drehen und umzuschichten. „Er war doch hier. Hier lag er“, hörten die übrigen ihn rufen.

Schließlich drehten sie sich um und gingen nach Hause.

Magnus kam gerade, als Skea das Schälchen mit Milch für den Tommten zur Scheune brachte. Welch ein Wahnsinn, ging es Magnus durch den Kopf. Er ließ den Schatz dort ruhen und wachte darüber indem er wie auch alle anderen vor dem Drachen warnte.
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