Ritter und Räuber

Robin of Sherwood Rollenspielforum
 
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 Mutiger Much

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Much
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BeitragThema: Mutiger Much   Fr März 11, 2011 10:50 am

Lachend und ausgelassen wanderte die kleine Gruppe durch den Wald.
„Habt ihr die Augen des kleinen Mädchens gesehen?“ fragte John gerade in die Runde.
Ein breites Lächeln zog über Tucks Gesicht und er sah wieder das Strahlen in den Kinderaugen und die erstaunten Gesichter
der Männer und Frauen. Er nickte nur. Will dagegen rief ausgelassen: „Na klar, John! Die hat vielleicht Kulleraugen gemacht!“
Nasir lächelte still vor sich hin.
Marions Hand suchte nach Robins, ergriff sie und drückte sie fest.
Sie waren auf dem Rückweg ins Lager.
Robin strahlte vor Vergnügen, er sah erneut den verdutzten Ausdruck im Gesicht des reichen, normannischen Handelsherrn,
als sie seinen Wagen stoppten und ihn seiner Waren und Lebensmittel beraubten.
All sein Gezeter half nichts, zu Fuß und ohne sein reich verziertes Obergewand musste er sich von dannen machen. Fluchend
stolperte er den Weg nach Nottingham entlang, begleitet vom Gelächter der Geächteten.
Sie hatten sich mit dem Wagen unverzüglich in Richtung Wickham in Bewegung gesetzt. Nur Much war zurückgeblieben. Er
sollte das Lager bewachen, in dem zur Zeit noch reiche Beute von anderen Streifzügen lagerte, die Robin nicht ohne
Bewachung lassen wollte.
Much blieb nur ungern, aber er wusste wie wichtig sein Posten war und er akzeptierte Robins Entscheidung uneingeschränkt.
Für ihn war Robins Meinung unantastbar. Robin war immer anders gewesen, sein Mut, seine Entscheidungskraft, sein
Durchblick imponierten Much seit jeher.
Manchmal verstand er Robins Entscheidungen nicht, aber bisher waren sie immer gut und richtig gewesen, deshalb zweifelte
Much sie auch nie an.
'Gut das Robin uns anführt, er weiß immer, was zu tun ist!'
In seinem eigenen Kopf dagegen schien oft ein unentwirrbares Chaos zu herrschen.
So saß er nun im Lager, stellte Pfeile her, denn der Vorrat war bedenklich zusammengeschrumpft seit den letzten Kämpfen
gegen Nottinghams Schergen.
Vor ihm lag schon ein großer Haufen fertiger Pfeile. Gerade war er dabei, den Schaft eines Pfeiles mit Federn zu bestücken,
ganz vertieft in seine Arbeit schien er nicht wahrzunehmen, was um ihn herum geschah.
Plötzlich schreckte er hoch.
Ein Knacken!
Much lauschte angestrengt.
Mit einer geschmeidigen Bewegung erhob er sich, schnappte seinen Bogen und den Köcher, den er bereits wieder mit neuen
Pfeilen aufgefüllt hatte. Wieder legte er den Kopf schräg, das Knacken war immer noch zu hören.
Much grinste: Robin hätte niemals solch einen Lärm verursacht, sie alle hatten es gelernt, sich nahezu lautlos im Wald zu
bewegen, ein Vorteil der ihnen im Kampf gegen die Normannen schon oft geholfen hatte. Denn nur so konnten sie aus dem
Nichts auftauchen und wieder verschwinden.
„Gisburne!“
Zischend kam der Name über Muchs Lippen.
Seine Haltung straffte sich.
Suchend blickte er sich um.
Im nächsten Augenblick saß er auf einem nahen Baum und war im dichten Blätterdach nicht mehr zu sehen.
Je länger Much die Soldaten beobachtete, desto klarer wurde ihm, er musste Robin warnen. Schon rutschte er vorsichtig von
seinem Hochsitz, als unter ihm eine Bewegung entstand. Mit angehaltenem Atem verharrte er.
Zwei Soldaten traten aus dem Gebüsch und blieben direkt unter ihm stehen.
Der Weg war versperrt.
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BeitragThema: Re: Mutiger Much   Fr März 11, 2011 10:52 am

Was meinst Du, wie lange wir warten müssen?“
Der zweite Soldat zuckte die Schultern.
„Diesmal entkommt uns dieser elende Wolfsschädel jedenfalls nicht!“
Much lauschte angestrengt.
Wütend knirschte er mit den Zähnen, während er gleichzeitig fast atemlos den gut durchdachten Plan mit anhörte.
Er musste Robin warnen, aber er sah keine Möglichkeit.
Doch dann kam ihm ein Gedanke, der einzige, der jetzt noch Aussicht auf Erfolg versprach.
Unterdessen näherte sich die kleine Gruppe Geächteter unter Robins Führung immer mehr dem Lager und somit auch den
feindlichen Soldaten.
Gerade noch ausgelassen plaudernd, zuckten sie plötzlich zusammen.
Der Ruf eines Käuzchens erschallte, dass aus dem Schlaf hoch schreckte.
Blicke flogen hin und her, ein unmerkliches Nicken, alle wussten, dass das kein Vogel gewesen war, sondern Much, der sie
warnen wollte.
Das Zeichen hatten sie vereinbart, wenn Gefahr drohte.
Wieder erklang der klagende Ruf des Käuzchens.
Robin antwortete, um Much zu signalisieren, dass er verstanden hatte.
Dann drehte er sich zu Marion um, ein Lachen auf dem Gesicht:
„Ein komischer Kauz, was?“
Mit einem Ungestüm, das Marion nicht erwartet hatte, fasste er sie an der Hüfte und wirbelte sie wild im Kreis, bis sie beide zu
Boden stürzten.
„Was soll das, Robin?“ zischte sie in sein Ohr, „Du weißt, dass Gefahr droht, was also soll dieser Blödsinn?“
„Sie dürfen nicht ahnen, dass wir gewarnt sind!“
Endlich begriff sie. Ihre Fäuste begannen Robin zu bearbeiten: „Du, Du, ...Du unmöglicher Kerl, Du!“
Lachend versuchte sich Robin in Sicherheit zu bringen.
„Halt ein! Halt ein! Ich ergebe mich!“
Nasir hatte längst Will unter gehakt, anscheinend in ein Gespräch vertieft, suchten seine Augen unter gesenkten Lidern die
Umgebung ab.
Tuck reagierte ebenfalls, schlug John kräftig auf den Rücken und schien vor lauter Lachen kaum noch Atem schöpfen zu
können. Dabei aber wieselten die Blicke seiner kleinen Äuglein ununterbrochen durchs Gebüsch.
Nur John stand noch immer verdattert da und begriff nicht, was geschah.
Die Soldaten, die ihnen bereits einige Zeit gefolgt waren, schauten sich verdutzt an.
Was ging hier vor?
Einen Moment lang hatten sie geglaubt, die Geächteten hätten Verdacht geschöpft, aber dem war anscheinend nicht so, denn
warum in aller Welt würden sie sich jetzt sonst so kindisch verhalten?
Und dass sollte der berüchtigte Robin Hood sein, den der Sheriff und sein Stewart Sir Guy of Gisburne so fürchteten? Das war
doch nur ein Kindskopf, ein dummer Junge!
Nasir näherte sich nun Robin, streckte ihm die Hand hin und zog ihn hoch. Dabei flüsterte er ihm zu:
„Wir sind eingekesselt, mindestens 10 Soldaten in unserem Rücken, wie viele vor uns sind, ist nicht auszumachen, aber
Gisburne scheint diesmal gezielt und überlegt vorgegangen zu sein!“
Robin nickte knapp.
Es sah nicht gut aus.
Much saß auf seinem Baum, wie auf heißen Kohlen.
Zwar hatte Robin seinen Ruf erwidert, aber mehr wusste Much nicht.
Er hatte die Freunde gewarnt, das war alles, was ihm jetzt möglich war, ohne sich selbst zu verraten.
Und wer wusste schon, ob es nicht wichtig war, dass wenigstens einer unbemerkt blieb!
Die Zeit schien sich ewig zu dehnen.
In Robins Kopf wirbelten die Gedanken: was hatte Gisburne vor, in welche Richtung sollten sie sich wenden? Sollten sie die
Soldaten hinter sich angreifen?
Oder nach vorne flüchten, ins Unbekannte?
Oder zur Seite ausweichen?
Wie würden die Soldaten in ihrem Rücken reagieren, wenn sie vom direkten Weg zum Lager abwichen?
Er beschloss, es auszuprobieren.
„Lasst uns einen kleinen Abstecher machen!“ rief er so laut, dass er sicher sein konnte, dass auch ihre unsichtbaren Begleiter
es vernommen hatten.
Entschlossen bog er nach links ab.
Zu seinem Erstaunen geschah eigentlich nichts, nur dass die immer noch um Deckung bemühten Soldaten ihnen wie ein
Schatten folgten, sie nicht aus den Augen ließen.
Eine neuerliche Wendung erbrachte das gleiche Ergebnis, sie wurden nicht angegriffen, aber die Soldaten hafteten an ihren
Fersen.
Aber allmählich zog sich der Kreis enger
In Robins Kopf stritten die Gefühle und Gedanken: sie konnten sicher einige erledigen, aber die Überzahl schien diesmal
erdrückend und sie hatten eine schlechte Position, da sie bereits umzingelt waren.
Bevor er jedoch zu einem befriedigenden Ergebnis kam, überschlugen sich die Ereignisse
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BeitragThema: Re: Mutiger Much   Fr März 11, 2011 10:56 am

Von allen Seiten drangen nun Bewaffnete auf sie ein, von Bäumen herab, sprangen Soldaten, ähnlich gekleidet, wie die
Geächteten selbst und daher zuvor beinahe unsichtbar.
Ein Netz fiel.
Robin und die anderen wehrten sich verzweifelt, hatten jedoch gegen die Übermacht keine Chance.
Nasir war von einer Traube von Bewaffneten umringt und so sehr er seine Schwerter auch um den Kopf wirbelte, es waren
einfach zu viele.
John und Tuck hatten sich gleich zu Anfang in diesem schrecklichen Netz verheddert.
John saßen zudem 2 Soldaten auf dem Rücken und schlugen auf ihn ein.
Tuck konnte sich kaum noch rühren, so hatte er sich in dem Netz verstrickt.
Jemand nutzte die Hilflosigkeit des feisten Mönches und hieb ihm die Breitseite seines Schwertes über den Kopf.
Betäubt sank Tuck zurück.
Will und Robin wehrten sich entschlossen, aber auch sie standen auf verlorenem Posten.
„Marion! Lauf!“
Robins Sorge galt vor allem Marion und er versuchte, wenigstens ihr zur Flucht zu verhelfen.
Doch schon nach wenigen Metern lief sie direkt in Gisburnes Arme.
Der nutzte seine Chance augenblicklich ergriff sie mit seiner eisenbewehrten Faust, wirbelte sie herum und drückte sie so fest
an sich, dass ihr fast der Atem stockte.
Mit der zweiten Hand hielt er ihr seinen Dolch an den Hals.
„Hood! Lasst eurer Schwert fallen, sonst ist sie des Todes!“
Robin erstarrte in seiner Bewegung. Er sah Guys entschlossenen und verbissenen Gesichtsausdruck, die Panik in Marions
Augen.
Langsam ließ er das Schwert sinken. Er hatte verloren und er wusste es.
„Lasst sie los, Gisburne!“
Der jedoch antwortete mit einem höhnischen Lachen!
„Das könnte dir so passen, Wolfshead! Ihr werdet zusammen hängen, dass verspreche ich dir!“
Und mit einem Wink an seine Soldaten befahl er kalt: „ Fesselt ihn!“
Zwei Soldaten warfen Robin unsanft zu Boden.
Einer kniete sich auf seine Beine, der andere drückte seinen Oberkörper auf den Waldboden.
Ein dritter Soldat trat mit Lederriemen bewaffnet hinzu.
Mit Macht riss er Robins Arme nach hinten, so dass dieser ein Aufstöhnen nicht unterdrücken konnte.
Geschickt fesselte er dem Geächteten die Handgelenke aneinander, darauf bedacht,die Riemen besonders fest zu ziehen, so
dass sie ins Fleisch schnitten und somit zusätzlich Schmerzen verursachten.
Robin biss die Zähne aufeinander, unter keinen Umständen wollte er sich anmerken lassen, wie er sich fühlte.
Diese Genugtuung gönnte er Sir Guy nicht.
Ohne Rücksicht auf die Schmerzen, die sie dem Mann verursachten, ergriffen die Soldaten seine Arme am Ellenbogen und
zogen ihn wieder auf die Füße.
Sein Gesicht war mit Erde verschmiert, Blätter hingen in seinen zerzausten Haaren, man sah die Anspannung in seinem
Gesicht, die verhaltene Wut und den zurückgedrängten Schmerz.
Seine Augen sprühten Funken.
Aus dem Augenwinkel nahm Robin wahr, dass die anderen inzwischen ebenfalls alle entwaffnet waren und nun gefesselt
wurden, nur mit dem Unterschied, dass man ihnen die Hände vorne statt auf dem Rücken zusammenband.
Jeder wurde von zwei Soldaten gehalten, eine Flucht unmöglich.
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BeitragThema: Re: Mutiger Much   Fr März 11, 2011 11:02 am

Much hätte beinahe laut auf geschrien.
Mit Gewalt presste er eine Hand vor den Mund und unterdrückte den Schrei, der ihn unweigerlich verraten hätte.
Von seinem Posten musste er ohnmächtig mit ansehen, was geschah.
Die Brutalität der Soldaten erschreckte ihn zutiefst.
Und er machte sich Vorwürfe, weil er Robin nicht rechtzeitig hatte warnen können.
Was würde nun mit seinem Bruder geschehen?
Much schien es, als bildeten seine Gedanken ein einziges, verworrenes Knäuel.
Warum Robin?
Warum?
Das durfte einfach nicht wahr sein.
Was sollte er nur tun?
Nur eins wusste Much mit Sicherheit: er musste, komme was wolle, seine Freiheit behalten!
Gespannt und ängstlich verfolgte Much weiter das Geschehen zu seinen Füßen.
„Bringt ihn her!“
kommandierte Guy seine Soldaten, die daraufhin Robin grob vor sich her stießen, bis er schließlich vor ihm stand.
Gisburnes verächtlicher Blick glitt an Robin hinab.
Dann schnellte seine Hand mit dem eisernen Handschuh vor und traf Robin hart im Gesicht.
Die Lippe platzte auf, Blut schoss ihm aus der Nase.
„Endlich haben wir dich, Geächteter, und diesmal wirst du mir nicht entkommen!“
Robin presste die Zähne fest aufeinander und würdigte Guy keines Wortes, sondern blickte ihn nur weiter herausfordernd und
unverwandt an.
„Mylord, seine Freunde sind jetzt ebenfalls gebunden, nur der Junge fehlt!“ meldete in diesem Moment einer von Gisburnes
Männern.
„Es ist gut“, mit diesen Worten entließ der blonde Ritter den Mann und kehrte seine Aufmerksamkeit wieder Robin zu:“ Wo ist
der Bursche, dieser rothaarige Lümmel, ich glaube Much heißt er, nicht wahr?“
Robin schwieg verbissen.Much war ihre einzige Chance, er würde ihn niemals an den Haushofmeister des Sheriffs verraten.
„Muss ich erst nachhelfen, Wolfshead?“ der drohende Unterton in der Stimme war nicht zu überhören.
Robin schwieg weiter, sollte er ihn auf der Stelle tot prügeln oder erstechen, es war ihm egal. Ohne Much wären sie ohnehin
verloren.
Zwar hatte er eine Gewalttätigkeit Gisburnes erwartet, trotzdem stockte ihm der Atem und die Tränen schossen unwillkürlich
in die Augen, als Guy ihn mit voller Wucht in der Magengrube traf.
Er krümmte sich zusammen, die Luft blieb ihm weg und Übelkeit machte sich in ihm breit.
Doch Guy gönnte ihm keine Pause, hart riss er seinen Kopf zurück:
„Nun, wo bleibt eure Antwort, wo ist Much?“
Robin schaffte es tatsächlich ein leichtes Lächeln auf sein Gesicht zu zaubern:
„Von mir werdet ihr nichts erfahren!“
Much biss sich auf die Lippe.
Jetzt musste Robin auch noch seinetwegen leiden.
Robin so misshandelt zu sehen, schmerzte Much unendlich und machte ihn beinahe wahnsinnig.
Fast wäre er gegen alle Vernunft vom Baum geklettert, nur um Gisburne Einhalt zu gebieten.
Zum Glück hielt ihn ein Gedanke ab: noch war er in der Lage, Robin zu helfen, aber nur, wenn er jetzt nicht auch gefangen
wurde.
Gisburne kochte vor Wut und schon holte er zu einem neuen Schlag aus, als eine Stimme ihn von der Seite her unterbrach:
„Haltet ein!“
Für einen Augenblick schien es, als ließe er sich nicht ablenken, doch dann entschied er, sich der Person zuzuwenden, die ihn
da so unvermutet ansprach.
Es war Marion, die von zwei Soldaten gehalten, in der Nähe stand und mit ansehen musste, wie Robin von Gisburne
malträtiert wurde, ohne ihm helfen zu können.
Tränen standen ihr in den Augen.
„Marion, nein!“ schrie Robin, was ihm eine erneute schallende Ohrfeige einbrachte, die ihn beinahe zu Boden warf.
„Ich lass nicht zu, dass er dich so behandelt“ , erwiderte Marion mit brüchiger Stimme, „wir wissen nicht, wo Much ist, Mylord
of Gisburne!“
„Netter Versuch, Lady Marion!“ Guys Stimme triefte vor Verachtung und Unglauben.
Aber Marion fuhr fort: „Es gab einen Streit heute morgen, Much ist weg gerannt, wir wissen nicht wohin, aber er schlug die
Richtung nach Barnsdale ein!“
Robin hielt den Atem an, würde Gisburne die mit Überzeugung vorgetragene Lüge glauben, oder sie als das enttarnen was sie
war: ein verzweifelter Versuch Marions, ihm weitere Schmerzen und unnötige Quälereien zu ersparen.
„Soso, die Herren Geächteten waren sich also uneins, mir soll's recht sein, den Jungen müssen wir nicht fürchten! Trotz allem:
10 Mann nach Barnsdale, haltet die Augen offen, ob ihr den Kerl entdeckt, fünf weitere suchen die nähere Umgebung ab, ob
der Bursche sich nicht doch irgendwo versteckt und ob sie das Lager dieser Schlangenbrut finden! Der Rest: Abmarsch nach
Nottingham, der Sheriff wird erfreut sein über unseren reichlichen Fang!“
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BeitragThema: Re: Mutiger Much   Fr März 11, 2011 11:05 am

Nasir, John, Tuck und Will wurden mit den Händen an jeweils ein Pferd gebunden.
Robin dagegen erhielt eine Schlinge um den Hals gelegt und wurde so ebenfalls an eins der Pferde gebunden.
Eine brutale und heimtückische Schikane, denn wenn er stürzte, war die Gefahr hoch, sich entweder gleich das Genick zu
brechen oder sich zu erwürgen, zumal er sich ja nicht mit den Händen abfangen konnte.
Sir Guy ließ Marion vor sich auf den Sattel heben und hielt sie dort mit einer Hand fest umfasst.
Auch ihre Hände waren gebunden, so dass sie nur wenig Möglichkeiten hatte, ihm in die Quere zu kommen.
„Sollte es jemand von euch wagen, einen Fluchtversuch zu unternehmen, was eh reiner Wahnsinn wäre, oder sollte dieser
einfältige Bursche Much doch auf die Idee kommen euch befreien zu wollen, ist sie sofort tot, verstanden?“
Robin nickte nur, um Marion nicht unnötig in Gefahr zu bringen.
Was sollte er sonst tun.
So ohnmächtig und hilflos hatte er sich schon lange nicht mehr gefühlt.
Guy galoppierte an und setzte sich an die Spitze seiner Truppe, in deren Mitte die Gefangenen mitgeführt wurden.
Zum Glück war der Schritt der Pferde anfangs noch recht gemächlich, so dass die Outlaws ohne größere Mühe neben her
gehen konnten.
Robin betete inbrünstig, dass sich das auch später nicht ändern möge, denn die Kraft, bei einem ausdauernden Trab oder gar
einem Galopp auf Dauer Schritt zu halten und nicht mitgeschleift zu werden, würde er wohl kaum aufbringen.
Much saß immer noch wie erstarrt in der Buche.
Tränen strömten ihm über das Gesicht und er zitterte am ganzen Leib.
Eine Hand umklammerte den Baumstamm, die andere hatte er immer noch auf seinen Mund gepresst, um nicht laut los zu
schreien.
„Robin!“ lautlos formte er die Worte, starrte immer noch auf die Stelle, wo sein Bruder und die Freunde im Wald
verschwunden waren, brutal mitgezerrt von den erbarmungslosen Soldaten Nottinghams.
Much verharrte regungslos, er fühlte sich hilflos, allein, ohnmächtig.
Aber da wa auch noch mehr: Eine wilde Wut machte sich in ihm breit.
Wut auf den Sheriff und seinen widerwärtigen Befehlsempfänger Sir Guy of Gisburne.
Wut auf das gesamte normannische Pack, dass sein Volk so sehr knechtete.
Die Gefühle stritten in ihm, Wut, Verzweiflung, Resignation.
Äußerlich unbewegt, aber voller innerer Zerissenheit, hockte er weiter in der Baumkrone.
Denn er wusste , dass immer noch nach ihm gesucht wurde, zum Glück standen die Pferde der 5 Soldaten so, dass er sie
teilweise sehen konnte und so würde er also wissen, wann er ohne Gefahr seinen Posten verlassen konnte.
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BeitragThema: Re: Mutiger Much   Fr März 11, 2011 11:48 am

Derweil musste Robin alle Willenskraft aufwenden, um sich nicht einfach fallen zu lassen, noch immer war ihm übel, der
Magen schmerzte, die Hände waren längst taub.
Es kam ihm so vor, als müssten Nase und Lippe doppelt so dick sein, wie normal.
Das Seil um den Hals drückte und scheuerte, er musste sich sehr bemühen, damit es locker hing und ihn nicht würgte.
Mühsam setzte er Fuß vor Fuß, dachte immer nur an den nächsten Schritt.
Verzweiflung kroch in ihm hoch.
Die Soldaten durchkämmten die Gegend gründlich.
Sie entdeckten trotz allem weder das Lager noch Much.
Hätten sie gewusst, wie nahe sie dem Lager mehrmals kamen ohne es zu finden! Aber der Eingang war schwer zu sehen,
Felsen und dichtes Unterholz verbargen den Platz vor den Blicken der Soldaten.
Sie liefen sogar so oft dicht unter der Buche entlang, dass Much ihnen mehrmals auf den Kopf hätte spucken können!
Aber von all dem ahnten sie nichts und schließlich gaben sie auf, trollten sich zu ihren Pferden und ritten in Richtung
Nottingham davon.
Much rutschte langsam herunter, wie in Trance begab er sich zum Lager.
Dort ließ er sich erschöpft auf einen Haufen Felle sinken und weinte hemmungslos.
Mutlos und verzweifelt hockte er später da.
Was sollte er nur tun?
Morgen würden Robin und die anderen hängen.
Und er allein hatte die Möglichkeit es zu verhindern.
Nur wie, nur wie?
Robin wüsste jetzt, was zu tun war!
Robin!
Er musste handeln, egal wie, alles war besser als hier zu sitzen.
Und wenn er scheiterte, so würde er eben mit Robin sterben.
Dann war es ohnehin egal.
Er musste es versuchen.
Er musste.
Er sprang auf und begann im Lager hin und her zu rennen, suchte Waffen, Kleidungsstücke und Seile zusammen.
Noch vor Einbruch der Dämmerung machte er sich auf den Weg nach Nottingham.
Wäre ihm jemand begegnet, so hätte er kaum einen Geächteten in ihm vermutet.
Gekleidet war er, wie ein gut betuchter Händler, seine Haare hatte er sich dunkel gefärbt (Tuck hatte ihm vor einiger Zeit die
Wirkung von Rinden-Aufgüssen gezeigt). Zudem war er nicht mehr schlank, sondern äußerst beleibt, was daher rührte, dass
er sich mehrere Stoffbahnen unter der Kleidung um den Körper gewickelt hatte.
Dann hatte er sich eines ihrer früher erbeuteten Pferde ausgesucht, einen sehr schönen, dunkelbraunen Zelter mit
unregelmäßiger weißer Stirnblesse und hohen weißen Fesseln.
Hinter dem Sattel hatte er ein längliches Bündel verschnürt, in das er drei gute Langbogen, gut gefüllte Köcher und mehrere
Schwerter , sowie Messer eingewickelt hatte.
So trabte er auf diesem herrlichen Tier nun munter und offen auf dem Handelsweg von St.Marys nach Nottingham dahin.
Unbehelligt passierte er die Stadttore Nottinghams, kurz bevor diese für die Nacht geschlossen wurden, und kehrte im
Gasthaus ein.
Sein Pferd vertraute er einem Knecht des Wirtes an, dasBündel jedoch nahm er mit.
Laut bestellte er ein Zimmer für die Nacht und ein Ale, sowie einen kleinen Nachtimbiss.
Dann suchte er sich einen Sitzplatz in der Nähe eines Tisches, der mit Wachsoldaten des Sheriffs besetzt war.
Er erhoffte sich, dort Informationen über Robin und die anderen zu erhalten.
Sein Bündel hatte er vorsichtshalber unter dem Tisch abgelegt.
Und richtig, schon nach kurzer Zeit begannen die Männer damit zu prahlen, dass sie dabei gewesen waren, als man den
berüchtigten Robin Hood gefasst habe.
„Wie ein geprügelter Hund musste er hinterher laufen!“ dröhnte gerade ein bulliger Kerl mit Narben im Gesicht.
Die anderen lachten und johlten auf.
Sie hatten eine Extra-Belohnung erhalten auf Grund des prächtigen Fanges und befanden sich verständlicher Weise in
ausgelassener Stimmung.
Much ballte die Fäuste unter dem Tisch und biss die Zähne aufeinander.
'Wartets nur ab', dachte er,' der Hund entwischt euch schon bald, auch wenn ihr ihn noch so sicher verwahrt glaubt! Und dann
hütet euch vor seinen Zähnen'
Laut sagte er dagegen:“ Daher war es heute so ruhig im Sherwood! Das ist ja wunderbar, dass man nun endlich ohne Angst
den Wald passieren kann!“
Nach einer Pause fügte er hinzu: „ Ihr habt sie auch wirklich sicher verwahrt?“
„Aber sicher!“ ich selbst habe ihn im finstersten Loch angekettet! Auch die anderen haben ein hübsches Zimmer erhalten.“
„Nur die Lady erfreut sich einer etwas besseren Gastfreundschaft, aber auch sie wird streng bewacht und hat ein Gemach ohne
Fenster erhalten. Das befindet sich im Westflügel, der Sheriff wollte sie in seiner Nähe haben“, fügte ein Kumpan des Narbigen
hinzu.
'Verdammt!' fluchte Much innerlich, das erhöhte sein Risiko um einiges und verminderte die Aussichten, alle gemeinsam zu
befreien beträchtlich.
Er spendierte den Soldaten eine Runde Ale und ließ sich noch weiter berichten, wie sich alles zugetragen hatte. Leider erfuhr
er nicht mehr viel Neues, außer dass die Hinrichtung für den nächsten Morgen auf Sonnenaufgang festgesetzt war und auf dem
Marktplatz stattfinden sollte.
Kurz darauf verabschiedete er sich, um sich zur Ruhe zu begeben.
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BeitragThema: Re: Mutiger Much   Fr März 11, 2011 11:51 am

Robins Lage war mehr als unangenehm.
Aufrecht stehend waren seine Arme weit auseinander gezogen und mit schweren Ketten an eisernen Ringen in der Wand
befestigt. Auch seine Fußknöchel waren mit eisernen Ketten gefesselt.
Hinsetzen oder gar legen war somit unmöglich.
Überhaupt besaß er kaum Möglichkeiten sich zu bewegen.
Er stand da, ein Bein leicht angewinkelt, um es zu entlasten, den Kopf hielt er gesenkt, die Arme hingen schwer in den Ketten.
Er wirkte zusammengesunken.
Resigniert.
Deprimiert.
Fast hätte man meinen können, er schliefe oder sei ohnmächtig.
Immer wieder zogen die Bilder an ihm vorbei:
die Freude der Menschen in Wickham, die nun keinen Helfer mehr haben würden, wenn nicht noch ein Wunder geschah.
Der Käuzchenruf,
der Überfall,
Gisburnes höhnisches Grinsen,
die Schläge,
der quälend lange Weg,
die Strassen Nottinghams.
Wieder sah er die gaffenden Menschen, die eine enge Gasse bildeten, hörte die triumphierenden Rufe der reichen Kaufherrn
und leiser das Aufstöhnen und Wehklagen ärmerer Bevölkerungsteile.
Auch in Nottingham hatten sie Sympathisanten, aber die waren nicht in der Lage etwas zu ihrer Rettung zu unternehmen, zu
groß war ihre Angst vor der normannischen Obrigkeit.
Ein schlacksiger Junge lief ihm hinterher:
„Robin, Robin, kann ich etwas für dich tun?“
Hart stieß ihn ein normannischer Soldat zurück in die Arme seiner Mutter, drohend fuchtelte er mit seinem breiten
Langschwert der armen Frau vor der Nase:
“Sorg' demnächst dafür, dass dein Junge Ruhe hält, sonst verliert er noch seine Zunge oder muss gar den Kopf in die Schlinge
stecken, wie dieser hier!“
Verängstigt zog die Frau ihr Kind an sich und verschwand mit ihm in der Menge.
Robin schüttelte den Kopf: 'was für Zeiten waren das, wo Kinder mit Verkrüppelung und Tod bedroht wurden, weil sie Mitleid
mit einem Gefangenen hatten?'
Dann stand er dem Sheriff gegenüber, höhnisches Grinsen malte sich auf dessen Gesicht, die Augen quollen ihm fast aus dem
Kopf als er den verhassten Geächteten von allen Seiten betrachtete.
„Hood! Ihr habt ausgespielt! Verloren!“
Er zog ihn zu einem Fenster der Burg, deutete hinaus:
„Dort wird schon der Galgen errichtet für dich und deine Kumpane!“
Sein Lachen füllte den Saal.
Robin schluckte unwillkürlich, als er sah, wie die Soldaten den ersten Galgenbaum aufrichteten.
Mühsam unterdrückte er seine Gefühle.
Er wollte dem Sheriff nicht noch mehr Anlass geben, seinen Triumph auszukosten.
Diesmal sah es wirklich schlecht aus.
Wenn Much es nicht schaffte, wäre das hier das Ende.
„Hah, ich sehe schon wie ihr morgen baumeln werdet! Und sei versichert, es wird ein Festtag für mich sein! Nicht wahr,
Gisburne?
Robin versuchte die Demütigungen zu verdrängen, die Robert de Rainault ihm noch zugefügt hatte.
Körperliche Schmerzen konnte er sehr gut ertragen, aber die Sorge um Marion, die dem Sheriff und Gisburne ohne Schutz
ausgeliefert war, machte ihn beinahe wahnsinnig.
Zu ihr flogen jetzt seine Gedanken.
Und zu den Gefährten.
Er wusste nicht, wo diese untergebracht waren, auch wusste er nicht, wo genau er sich selber befand, hatte man ihm doch die
Augen verbunden, als man ihn hierher schaffte.
Ein einziger Gedanke ermutigte ihn jetzt noch:
Much!
Much war ihre letzte Hoffnung!
Die einzige, die ihnen bis jetzt blieb.
Much begab sich in sein Gastzimmer.
Die kleine Kammer unter dem Dach war kärglich eingerichtet, aber für Much war es mehr als genug.
Ein Bett, ein Tisch und ein Stuhl.
Auf dem Tisch ein Krug mit Wasser und eine Waschschüssel.
Er goss ein wenig Wasser in die Schüssel und fuhr sich mit dem kalten Nass über das Gesicht.
Er versteckte die Pfeile und Schwerter, so wie die Bogen unter dem Bett.
Dann band er vorsichtig, die Stoffbahnen auf, die er sich umgebunden hatte, um seine Figur zu verbergen.
Sie würden ihn später nur hindern.
Danach warf er sich aufs Bett.
Die nächsten Stunden konnte er nichts tun, er musste abwarten, bis alle zur Ruhe gingen.
Vor Mitternacht wäre ein Befreiungsversuch der reine Selbstmord gewesen.
Erst wenn überall die Lichter verlöscht waren und nur noch die Nachtwachen auf den Beinen waren, wollte er es wagen ins
Schloss einzudringen.
Trotz seiner Müdigkeit wollte sich kein Schlaf einstellen, weil seine Gedanken viel zu sehr aufgewühlt waren.
Zum ersten Mal musste er allein handeln, allein entscheiden, was zu tun war.
Und nur von ihm hing ab, ob seine Freunde morgen noch am Leben waren oder am Galgen endeten.
Später fiel er in einen unruhigen Schlaf aus dem er jedoch bald wieder aufschreckte.
Ein Blick aus dem Fenster sagte ihm, dass es nun an der Zeit war, sich auf den Weg zu machen.
Alle Lichter in der Stadt waren verlöscht, im Gasthaus war längst Ruhe eingekehrt und auf den Straßen war keine Menschenseele mehr unterwegs.
Schemenhaft konnte er am Tor die Wachen erkennen.
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BeitragThema: Re: Mutiger Much   Fr März 11, 2011 11:57 am

Er band sich das Bündel mit den Pfeilen und Schwertern unter den Mantel und hängte sich die drei Bogen über die Schulter.
Den Mantel zog er eng um die Schultern, was nicht auffallen konnte, da die Nacht empfindlich kühl war.
Ein schneller Blick nach allen Seiten, die Luft war rein.
Much kletterte aufs Fensterbrett, von da sprang er auf das deutlich niedrigere Dach des nahen Stalles.
Von dem aus lief er die Mauer entlang, die das Grundstück umgab. An einer geeigneten Stelle, ließ er sich hinab gleiten und
stand nun in einer schmalen Gasse, die ihn direkt zur Burg führen würde.
Plötzlich bemerkte er einen kleinen Schatten in einer Nische.
Irgendjemand war hier noch unterwegs, obwohl der Schatten eher einem Zwerg als einem Menschen zu gehören schien.
Aber Much musste vorsichtig sein, sonst scheiterte sein Plan schon im Ansatz.
Lautlos pirschte er sich an den Schatten heran, ein Sprung und er lag auf dem äußerst kleinen Menschen. Noch bevor dieser
einen Schrei ausstoßen konnte legte sich eine Hand Muchs auf seinen Mund, die andere um seinen Hals.
„Ruhig, ganz ruhig!“ zischte Much.
Ein ersticktes Murmeln antwortete.
Die kleine Gestalt unter ihm zitterte und jetzt erst nahm Much sich Zeit, sie genauer zu betrachten.
Es war ein kleiner schmächtiger Junge, maximal 12 Jahre alt.
„Wenn du leise bist und versprichst, nicht weg zu laufen, lasse ich dich los!“
Much widerstrebte es ein Kind so zu behandeln, wie er wohl mit einem erwachsenen Mann oder gar einem Soldaten
umgesprungen wäre.
Der Junge nickte.
Much lockerte seinen Griff und ließ den Jungen sich aufsetzen.
„Du bist einer von Robin Hoods Männern, nicht wahr?“ fragte der Junge.
Much erschrak zuerst.
Das konnte gefährlich für ihn werden.
Much überlegte und betrachtete den jungen aufmerksam.
Der Junge wirkte arm, aber ehrlich und irgendwie kam ihm das Gesicht vertraut vor.
Er glaubte ihm vertrauen zu können und nickte .
„Ich hab ihn gesehen! Heute Nachmittag, als sie ihn brachten! Ihn und die anderen, die Lady und den Sarazenen, den dicken
Mönch und den Riesen und Will Scarlett!“
Muchs Aufregung stieg.
Vielleicht hatte er hier einen wertvollen Verbündeten gefunden.
Vielleicht wusste dieser Junge mehr, als er selbst.
Verstohlen blickte sich Much um, hier konnten sie nicht länger bleiben.
Eilig zog er den Knaben in eine Seitengasse und drückte sich dort mit ihm in den schmalen Spalt zwischen zwei Häusern.
„Erzähl mir was du weißt!“ bat er ihn und dann lauschte er gespannt.
Der Junge berichtete, wie er am Nachmittag den Tross der Soldaten und ihrer Gefangenen gesehen hatte.
Wie er Robin erkannt und angespochen hatte.
Er verschwieg auch nicht die harsche Reaktion des Hauptmannes.
Danach habe ihn seine Mutter nach Hause gebracht und eingesperrt, er aber sei durchs Fenster entwischt und den Soldaten
unauffällig gefolgt, nun wisse er genau, wo die Outlaws zu finden seien. Er endete mit der Feststellung: „Und jetzt bin ich hier,
um zu sehen, ob ich Robin und den anderen nicht doch helfen könnte! Er darf morgen nicht gehenkt werden, sonst stirbt mit
ihm alle Hoffnung für die Angelsachsen!“
Eine Träne mogelte sich in das Auge des Knaben und Much wuschelte ihm unwillkürlich durch die dicken braunen Haare.
Much war erstaunt, über die Art und Weise, wie der Junge sprach und sich verhielt.
Gerne hätte er ihn gefragt, was ihn bewog, ihm zu helfen, noch mehr, woher er Robin kannte und warum er auf ihrer Seite
stand und den Mut hatte, sich gegen die normannische Herrschaft aufzulehnen.
Aber jetzt war nicht der richtige Zeitpunkt dafür, die Fragen mussten warten.
„Ich bin Much! Und wie heißt du?“
„Timothy“
„In Ordnung, Timothy! Wir wollen Freunde sein! Willst du Robin noch immer helfen?“
Timothy nickte.
Much sah ihn prüfend an:“ Du sagtest, du wolltest sehen, ob du ihn befreien kannst, aber wie wärst du hinein gekommen?
Selbst für mich stellt die Mauer ein beinah unüberwindliches Hindernis dar, zumindest wenn ich, so wie jetzt, allein unterwegs
bin!“
Timothy strahlte übers ganze Gesicht: „Ich kenne einen Weg, den sonst niemand benutzt!“
Dann musterte der Junge Much von oben bis unten!
„Das könnte gerade noch hinhauen!“
„Was?“
„Der Gang ist ziemlich eng am Anfang, eigentlich mehr wie ein Riss, deswegen passen nur Kinder durch. Aber du bist schmal
und siehst recht gelenkig aus, da könnte es grad noch klappen!“
Mit diesen Worten fasste er Muchs Hand und zog ihn hinter sich her aus dem Häuserspalt und zurück in die Gasse, in der sie
aufeinander getroffen waren.
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BeitragThema: Re: Mutiger Much   Fr März 11, 2011 11:59 am

Timothy rannte zielstrebig den Weg entlang, Much blieb nichts anderes übrig, als ihm zügig zu folgen.
An einem Mauerbruch hielt der Junge an.
Hier war ein großes Stück der Mauerkrone von Nottingham Castle herunter gebrochen und bildete einen wirren Haufen großer
und kleinerer Steine am Fuße der Mauer.
Der Mauerrest, der noch stand, war aber immer noch hoch genug, um nicht ohne weiteres erklettert werden zu können.
Aber Timothy machte auch gar keine Anstalten, irgendwo empor zu klettern.
Er führte Much im Gegenteil an eine Seite des Geröllhaufens, der direkt an die Grundmauer der Burg stieß, hier bückte er sich.
Much kniete sich neben den Knaben und konnte nun ebenfalls einen schmalen Riss erkennen, der sich zwischen der Mauer und
einer der abgestürzten Zinnen gebildet hatte.
„Da hinein?“
„Ja!“ Timothy nickte Much auffordernd zu, „Der Spalt wird nach kurzer Zeit wesentlich breiter und führt in die Vorratskeller des
Schlosses, von da gibt es verschiedene Verbindungen in den Bereich der Katakomben, in dem die Kerker liegen!“
Much schluckte, der schmale Riss wirkte nicht gerade verlockend, aber wenn es funktionierte, war es der einfachste und
sicherste Weg, den er je benutzt hatte, um in die Burg zu gelangen.
Timothy krabbelte vor und war schon nach kurzer Zeit vollständig verschwunden.
Dumpf klang seine Stimme durch das Loch: „Komm endlich Much, oder willst du da fest wachsen?“
Much schob zuerst sein Bündel mit den Waffen hinein, denn wenn er es am Körper getragen hätte, wäre er zu breit für den
Einstieg gewesen.
Nun legte er sich flach auf den Boden, atmete tief ein und schob sich mit dem Kopf voran in den dunklen Spalt.
Kurzfristig war es so eng, dass er befürchtete stecken zu bleiben und er musste sich anstrengen die aufkommende Panik und
Atemnot nieder zu kämpfen.
Doch diese Bedrängnis währte, wie Timothy vorhergesagt hatte, nur kurz.
Danach weitete sich der Gang, so dass er zuerst auf allen Vieren krabbeln, später aufrecht darin stehen konnte.
Timothy führte ihn mit traumwandlerischer Sicherheit durch das Kellerlabyrinth.
Sie begegneten keiner Menschenseele.
Nach einer Zeit, die Much endlos erschienen war, hielt der Junge an.
Er flüsterte Much zu: „ Ab hier müssen wir aufpassen, wir nähern uns dem Zellentrakt.
Dort vorne mündet unser Gang und ab dort müssen wir mit Wachen rechnen. Gisburne hat sie verdoppeln lassen.“
Much überlegte: „Am besten bringst du mich direkt zu Robins Zelle, der weiß am besten, wie es dann weitergehen kann!“
Aber Timothy schüttelte den Kopf: „Robins Zelle liegt von hier am weitesten weg, alle anderen wirst du viel leichter erreichen
und je mehr deiner Freunde frei und bewaffnet sind, desto größer ist unsere Chance hier heil und lebend raus zu kommen.“
Much musste dem Jungen recht geben.
„Nun gut, dann halt die, die wir zuerst erreichen können.“
Sie liefen weiter.
Much hörte es zuerst.
Jemand näherte sich mit festem Schritt.
Jetzt galt es.
Der Junge war ein hervorragender Führer gewesen, aber das hier war Muchs Aufgabe.
Sein Körper straffte sich, er fasste das Schwert fester und drückte sich eng gegen die Wand.
Den Jungen hatte er in eine Nische geschoben, um ihm so viel Deckung wie irgend möglich zu verschaffen.
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BeitragThema: Re: Mutiger Much   Fr März 11, 2011 12:03 pm

Muchs Herz schlug bis zum Hals.
Es schien ihm so laut zu sein, dass jeder ihn schon von weitem hören musste.
Er hoffte, dass es nicht zu viele Personen waren, die sich näherten, dann hätte er Probleme.
Noch immer war er kein all zu guter Kämpfer, auch wenn er schon einiges dazu gelernt hatte.
Den Schritten nach zu urteilen tippte Much auf 2 bis maximal 3 Soldaten.
Und da der Überraschungs-Effekt auf seiner Seite war, hoffte er die Oberhand zu behalten.
Nur durfte nicht zu viel Lärm entstehen, damit nicht neue Wachen aufmerksam gemacht wurden.
Die Schritte kamen immer näher. Doch bevor sie die beiden erreichten, hielten sie an.
Much atmete durch.
„Sergeant, ich vertraue euch die Gefangenen an. Ihr haftet mit eurem Kopf dafür, dass diese auch morgen noch anwesend
sind! Ich brauche euch wohl nicht zu erzählen, was geschieht, sollte der Sheriff von ihrer Flucht hören müssen!“
Das war Gisburnes Stimme.
Eine zweite, Much unbekannte Stimme antwortete mit militärisch knappem und
zackigem Tonfall:
„Jawohl, Mylord! Ich versichere euch, dass kein Grund zur Sorge besteht!“
„Dummkopf! So lange sie noch leben, besteht immer Grund zur Sorge, wisst ihr denn nicht, wie oft sie uns schon entkommen
sind und jedes Mal sah es zuvor so aus, als bestände kein Grund zur Sorge! Und noch läuft da einer von ihnen frei herum,
wenn es auch nur dieser einfältige Bursche ist, dieser Much, des Müllers Sohn!“
„Aber Sir, sie sind doch sogar einzeln verwahrt.... und angekettet, die Wachen sind verdoppelt, wie...?
„Stellt nicht so dämliche Fragen, Mann! Wie, weiß ich auch nicht, aber ich weiß, dass sie es bis zum letzten Moment versuchen
werden. Woher sie diese unbeschreibliche Hartnäckigkeit, die Ideen und den Optimismus nehmen, es immer wieder zu
versuchen ist mir ein Rätsel, nur bisher gab ihnen der Erfolg recht. Aber das können wir uns nicht mehr leisten! Verstanden?“
Diesmal ertönte nur noch ein:
„Jawoll, Sir!“
„Ich werde jetzt noch einmal Hood aufsuchen! Mal sehen, ob er sich wohl befindet! Habt also acht, Sergeant,und denkt dran,
die sind mit allen Wassern gewaschen und schrecken vor nichts zurück!“
Much verharrte regungslos.
Ihm war mulmig zumute.
Gisburne war zwar bisher immer unterlegen gewesen, was aber keineswegs bedeutete, dass er ein schlechter Kämpfer war.
Im Gegenteil, Much hegte ehrlich Respekt vor dem blonden Ritter.
Mit dem Schwert verstand der nämlich hervorragend umzugehen!
Und so war es verständlich, dass Much jetzt die Knie weich wurden, zumal der Sergeant bestimmt auch im Umgang mit dem
Schwert einiges zu leisten im Stande war.
Und zwei gegen einen, nun, Much würde ihnen das Leben schwer machen, aber er hegte nur wenig Hoffnung hier
durchzukommen.
Zu seinem Erstaunen entfernten sich die Schritte jedoch von ihnen. Dem Geräusch nach zu urteilen, war es nur einer der
beiden, der rasch und entschlossen in eine andere Richtung strebte.
Much atmete erleichtert auf, seine Chancen stiegen wieder. Mit einem konnte er eher fertig werden, als mit zwei geübten
Soldaten.
Als die Schritte fast verklungen waren, setzte sich auch der zweite in Bewegung, aber Much stutzte abermals. Diese Schritte
bewegten sich ebenfalls nicht auf sie zu.
Much blickte sich verwirrt um.
Dann fragte er Timothy: Gehen da vorne mehrere Gänge ab?“
Timothy nickte bestätigend!
Much überlegte, wie er nun weiter vorgehen sollte. Einen Plan hatte er sich zuvor nicht zurecht gelegt.
Klar war, dass er zu allererst die Schlüssel benötigte und die hatte entweder der Sergeant oder Gisburne.
Also mussten sie hinter her.
Much winkte Timothy ihm zu folgen.
Wie ein lautloser Schatten huschte Much den Gang entlang. Mit einem kurzen Blick versicherte er sich, dass der Junge ihm
folgte.
Nach etwa 200 Schritten erreichten sie die Weggabelung, an der zwei Seitengänge auf den ihrigen stießen..
Ein schneller Blick um die Ecke des links abzweigenden Ganges ließ Much noch einen Blick auf den Sergeant erhaschen.
„Wohin führt der Weg?“ raunte Much dem Jungen zu.
Leise kam die Antwort: „Zur Wachstube!“
Dort dürften jetzt reichlich Soldaten anwesend sein und so erschien es Much ratsamer, Gisburne zu folgen, der ja Robin aufsuchen wollte.
Zudem beschlich ihn ein mulmiges Gefühl.
Hoffentlich hatte Gisburne nicht irgendwelche Gemeinheiten mit Robin vor.
Much konnte den blonden Haushofmeister nicht einschätzen.
Und die Brutalität vom gestrigen Tag hatte er noch nicht vergessen.
„Welcher Gang führt jetzt zu Robin?“
„Geradeaus!“ flüsterte Timothy.
Noch ein schneller Blick, ob die Luft rein sei, und die beiden folgten wieder nahezu unhörbar dem Stollen, der sie immer tiefer
unter die Burg führte.
Es dauerte nicht lang und sie befanden sich im Rücken Gisburnes, der mit einer Fackel ausgerüstet den dusteren Gang mit
langen Schritten durchmaß.
Wäre dieser auf die Idee gekommen, sich umzudrehen, hätter er seine zwei Schatten unweigerlich bemerkt.
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BeitragThema: Re: Mutiger Much   Fr März 11, 2011 12:05 pm

Much spürte die Aufregung.
Jetzt kam es drauf an.
Er überlegte, ob er Sir Guy noch hier im Gang angreifen sollte.
Oder sollte er warten, bis dieser Robins Verlies betreten hatte?
Die Überlegung, dass sicher Wachen vor Robins Tür standen, gab den Ausschlag.
Dann wären es wieder zwei oder drei Gegner gewesen, wenn nicht noch mehr.
Und er hätte zuerst die Wachen überwältigen müssen, bevor er sich um Gisburne hätte kümmern können. Wenn dieser
währenddessen aufmerksam geworden wäre, nun, dann wäre er verloren gewesen.
Jetzt jedoch fühlte Gisburne sich noch sicher.
Er ahnte nichts von den Feinden, die sich ihm hinterrücks näherten.
Much bedeutete Timothy zu warten.
Mit einigen schnellen Schritten erreichte er den hochgewachsenen Mann.
Bevor er jedoch, wie geplant, mit dem Knauf des Schwertes zuschlagen konnte, wirbelte Sir Guy herum.
Blaue Augen blitzen Much an.
Der Mund verzog sich zu einem höhnischen Grinsen.
„Du kommst, wie gerufen! Ich habe schon auf dich gewartet!“
Much musste schlucken. Für einen kurzen Moment zögerte er.
Lang genug für den erfahrenen Kämpfer, der ihm gegenüber stand.
Blitzschnell und für Much völlig unerwartet drang sein Gegner auf ihn ein.
Much hatte gerade noch genug Zeit zurück zu springen, sonst hätte das Schwert ihn getroffen.
So dagegen lief die Wucht des Schlages ins Leere.
Das Schwert knallte gegen die Felswand.
Funken sprühten.
Der metallische Klang füllte den ganzen Stollen.
Much zuckte zusammen.
Das würde die Wachen mit Sicherheit alarmieren.
Sein einziger Vorteil lag in seiner Schnelligkeit und der unkonventionellen Art seines Kampfes.
Statt sich Sir Guy zu stellen und sich in einen klassischen Schwertkampf verwickeln zu lassen, tauchte Much immer wieder
unter Gisburnes Schlägen hindurch, um ihn dann seinerseits von hinten oder seitlich zu treffen. Mit jedem Hieb der ins Nichts
lief wurde Guy wütender.
Seine Schläge wurden unkontrollierter und heftiger.
Aber je mehr der blonde Ritter in Rage geriet, desto überlegter wurde Much.
Trotz der hohen Überlegenheit Gisburnes sowohl an Kraft als auch an Erfahrung und kämpferischen Geschick, konnte Much ihm
immer wieder entwischen.
Je länger der Kampf dauerte, desto mehr erkannte Much, dass er tatsächlich eine reelle Chance hatte, den gefürchteten
Gegner zu besiegen.
Als er wieder Mal einem Hieb gekonnt ausgewichen war, fand er sich plötzlich in einer sehr komfortablen Position seitlich
hinter Gisburne wieder.
Ein kurzes Grinsen huschte über Muchs Gesicht.
Auf diesen Moment hatte er gewartet, denn schon vor Längerem war ihm eine Idee gekommen, wie er den Kampf beenden
konnte.
Innerhalb eines Augenblicks nutzte er seine Chance und schlug Sir Guy die Breitseite seines Schwertes mit aller ihm zur
Verfügung stehenden Kraft in die Kniekehlen.
Mit einem überraschten Schrei sank Guy auf die Knie.
Im Nu war Much über ihm, stieß ihn vollends zu Boden und hielt ihm sein Schwert an den Hals.
Mit einem triumphierenden Lächeln gebot er dem Adlatus des Sheriffs:
„Keine Bewegung mehr, sonst schlitz' ich dir den Hals auf!“
Gisburne wagte es tatsächlich nicht, auch nur den kleinen Finger zu rühren.
Nur ein unanständiger Fluch kam über seine Lippen.
Ansonsten lag er unbewegt und schickte sich scheinbar gelassen in die momentanen Gegebenheiten.
Much winkte Timothy heran.
„Reiß ein Stück von seinem Umhang ab und fessel ihm damit die Hände auf dem Rücken! Aber schön fest!“ wies er seinen
neuen Freund an.
Keinen Moment zu früh beendeten sie diese Arbeit.
Denn nun kamen die Wachen aus ihrem Dienstraum gerannt.Als sie die Situation erfassten, stutzten sie kurz und näherten sich dann jedoch weiter der kleinen Gruppe.
Much straffte sich , drückte sein Schwert noch etwas stärker gegen Guys Hals und rief mit lauter, drohender Stimme: „Keinen
Schritt weiter oder euer Vorgesetzter stirbt!“
Als die Wachen den Befehl anscheinend missachten wollten, zischte er dem hilflosen Ritter zu:“ Beordert die Wachen zurück!
Wenn noch einer näher kommt, könnte das hier tödlich für euch enden!“
Guy presste ein:“Zurück! Haltet ein, er macht seine Drohung sonst wahr!“ heraus.
Den ausdrücklichen Befehl des Haushofmeisters wagten die Soldaten nicht zu missachten. Sichtlich unentschlossen standen sie
mitten im Gang und warteten ab, wie sich die Sache weiter entwickeln würde.


Zuletzt von Much am Fr März 11, 2011 12:12 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Mutiger Much   Fr März 11, 2011 12:11 pm

„Much, schau was ich gefunden habe!“
Triumphierend hielt Timothy einen großen Bund mit Schlüsseln hoch, die er vom Gürtel Gisburnes gelöst hatte.
Much grinste erneut.
„Das trifft sich ja gut! Probier mal aus, ob die auch die Zelle dort drüben aufschliessen.“
Much deutete auf eine Tür, die zwischen ihm und den Wachen lag.
Tatsächlich öffnete einer der Schlüssel knarzend.
Die eiserne Tür schwang auf und gab den Blick frei auf einen kleinen, kahlen Raum, dessen Boden mit fauligem Stroh bedeckt
war.
Much winkte Timothy ein paar Schritte zurück.
„So, meine Herren Soldaten, immer hinein in die gute Stube!“
Much machte eine einladende Geste, ohne dabei das Schwert auch nur einen Zentimeter von Guys Hals zu entfernen und ohne
ihn und die Soldaten aus den Augen zu lassen.
„Das ist nicht dein Ernst!“ fuhr einer der Männer auf.
„Mein vollster Ernst! Und wenn ihr euch nicht beeilt, dann rutscht mein Schwert doch noch aus! Es ist jetzt schon schwer
genug!“
„Nun macht was er sagt! Wird’s bald!“ Guys Stimme zitterte vor unterdrücktem Zorn, aber er wollte keinesfalls sein Leben
riskieren.
Zögernd kamen die Wachen dem Befehl nach.
Wütende Blicke trafen Much und Timothy.
Als der letzte den Kerker betreten hatte, warf Timothy die Tür ins Schloss und drehte den Schlüssel um.
„Puuh! Das wäre geschafft!“ atmete der schmächtige Junge auf.
„Was machen wir jetzt mit dem hier?“
„Der begleitet uns jetzt zu Robin und dann sehen wir weiter!“
Mit dem Schwert trieb er Guy of Gisburne vor sich her, bis sie Robins Zelle erreichten.
Wie erwartet tatsächlich von zwei Wachen flankiert, bot die Tür keinen einladenden Anblick.
Much hielt Guy am Arm und hoffte inständig, dass die Bedrohung durch das Schwert im Rücken ausreichen würde, um den
Ritter, der ihn um mehr als eine Kopflänge überragte, in Schach zu halten.
Hätte dieser sich plötzlich losgerissen und wäre vorwärts gestürmt, so hätte Much ihn wohl kaum halten können.
Doch anscheinend zog dieser diese Möglichkeit gar nicht in Erwägung.
Much wunderte das zwar, aber er beschloss sich darüber keine Gedanken zu machen.
"Lasst eure Waffen fallen!" herrschte er die beiden Soldaten an, die den Wachdienst versahen.
Diese wechselten einen Blick mit Sir Guy.
Much erhöhte vorsichtshalber den Druck der Waffe, um sein Anliegen zu unterstreichen.
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BeitragThema: Re: Mutiger Much   Fr März 11, 2011 5:07 pm

Immer noch standen die beiden Wachen bewegungslos und starrten die kleine Gruppe vor sich an.
"Nun, wird's bald! Ich hab nicht ewig Zeit und meine Geduld ist bereits am Ende!"
Erstaunlich fest klang Muchs Stimme.
Ganz im Gegensatz zu seiner Gefühlslage.
Gisburne hoffte darauf, dass die Wachen umsichtig reagieren würden und er hier die Chance bekam, das Blatt zu wenden.
Ein kurzes Zwinkern seinerseits, die Wache reagierte, wie Gisburne es erhofft hatte.
Trotzdem kam alles anders als der blonde Adlatus es geplant hatte.
Timothy schrie auf: "Pass auf, Much! Sie greifen an!"
Much sah die Soldaten die Schwerter ziehen und vorwärts preschen.
Noch lagen wenige Schritte zwischen ihm und den Anstürmenden.
Instinktiv handelte Much.
In Sekundenschnelle schleuderte er Guy mit aller Kraft von sich auf den einen Wachsoldaten.
Guy hatte damit nicht gerechnet, stolperte vorwärts, konnte sich auf Grund der gefesselten Hände nicht abfangen und riss die
Wache mit zu Boden.
Der Anprall führte dazu, dass der Soldart mit dem Kopf aufschlug und betäubt liegenblieb.
Guy bemühte sich vorerst erfolglos wieder auf die Beine zu kommen, die gefesselten Hände behinderten ihn jedoch zu sehr.
Der zweite Soldat hingegen griff mit aller Wucht an, hatte aber ebenfalls Muchs Gewandheit unterschätzt.
In den Augen der Normannen war Much nicht ernst zu nehmen, ein einfältiger Bursche, und so erwarteten sie nicht, bei ihm
einen so erheblichen Widerstand zu finden.
Diese Überheblichkeit rächte sich für sie jetzt bitter.
Nachdem Much Guy von sich gestoßen hatte, wirbelte Much zu der zweiten Wache herum, die sich gerade mit ausgestrecktem
Schwertarm auf ihn stürzen wollte, ein schneller Schwenk Muchs zur Seite, ein ebenso gewandter Hieb mit dem Schwert und
die Wache stürzte mit einem Aufschrei zu Boden.
In weniger als 2 Minuten lagen alle gefesselt am Boden und Much hatte Guy wieder fest im Griff.
Timothy öffnete mit dem Schlüssel die Tür.
Muchs Herz schlug wild.
Er hatte es so weit geschafft, aber jetzt überkam ihn Panik.
In welchem Zustand würde er Robin vorfinden?
Much schluckte.
Dann schob er Guy vor sich her und drückte mit seinem Gefangenen die Tür auf.
Diese bewegte sich nur zaghaft, so als sei sie nur selten benutzt worden und völlig eingerostet.
Much verstärkte den Druck und allmählich öffnete sich der Blick in das enge Gelass.
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BeitragThema: Re: Mutiger Much   Fr März 11, 2011 5:09 pm

Much erhaschte an Gisburne vorbei den ersten Blick auf Robin.
Der stand noch unbewegt, den Kopf gesenkt, mehr in den Ketten hängend als sich durch seine eigene Muskelkraft aufrecht
haltend.
Es schien als habe er nichts mit bekommen von dem Tumult vor seiner Zelle.
Nicht einmal als die Tür sich öffnete hob er den Blick.
Much bugsierte Gisburne durch die Tür und stieß ihn dann hart in eine Ecke.
Timothy folgte und schloss die Tür hinter sich ab.
So konnten sie unliebsame Überraschungen vermeiden.
Much stürzte auf Robin zu.
"Robin! Robin! Ich bin ja so froh dich zu sehen!"
Tränen rannen ihm übers Gesicht.
Er schlang seine Arme um seinen Ziehbruder.
Der hob nur schwach den Kopf und blickte den Jungen mit traurigen Augen an.
Immer noch schien er nicht zu realisieren, was geschah.
Much fühlte, das etwas nicht stimmte.
"Robin, was ist?"
Robin schaute ihn nur weiter an, aber antwortete nicht.
Much verzweifelte beinahe als er diesen Blick auffing.
Schnell nahm er Timothy die Schlüssel ab.
Nach einigem Ausprobieren fielen endlich die schweren Eisenketten zu Boden.
Doch entgegen Muchs Erwartung jubelte Robin nicht auf.
Kaum dass er des Haltes durch die Ketten beraubt war, sackte er vollends zusammen und stürzte vor Much zu Boden.
Hilflos blickte Much zwischen Robin, den Ketten, Timothy und Guy hin und her.
Er war vollkommen verwirrt und überfordert.
Er hatte so sehr gehofft, dass Robin die Führung der weiteren Befreiungsaktion übernehmen würde.
Und nun?
"Robin?"
Much warf sich neben ihm auf den Boden, umschlang ihn mit den Armen und redete wie ein Wasserfall auf den völlig
Erschöpften ein.
Robin ließ es geschehen ohne Einhalt zu gebieten oder zu antworten.
Timothy hingegen wurde praktisch.
"Much, hör auf! Lass ihm die Ruhe! Er wird schon wieder!"
Much schaute auf und blickte den Jungen erstaunt an.
"Hilf mir lieber! Wir sollten Gisburne das Vergnügen gönnen, die Ketten zu schmecken, die eigentlich Robin halten sollten!"
Much grinste.
Das gefiel ihm.
Mit einiger Anstrengung schafften sie es Guy mit den Ketten zu fixieren.
Das ging jedoch nicht ohne Gezeter und heftiger Gegenwehr seitens des blonden Ritters vonstatten.
Als sie es endlich geschafft hatten, atmeten sie erleichtert auf.
Inzwischen hatte Robin sich so weit erholt, dass er wieder aufrecht saß und den beiden Jüngeren aufnmerksam folgte.
"Danke, Much", leise, kaum hörbar, kamen die Worte von Robins Lippen.
Much strahlte über das ganze Gesicht.
Sie halfen Robin auf und verließen die Zelle.
Noch einmal blickte Robin zurück.
Er hatte schon geglaubt, diesen Kerker nur noch zu verlassen, um zu sterben.
Und jetzt erwachte die Hoffnung langsam neu in ihm.
Er würde wieder frei sein und Sherwood sehen.
Ein schwaches Lächeln umspielte seine Lippen.
"Vorwärts!"
Noch benötigte Robin die Unterstützung Muchs, denn seine Beine schienen ihn kaum tragen zu wollen, nur langsam kamen sie voran.
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BeitragThema: Re: Mutiger Much   Fr März 11, 2011 5:13 pm

"Stopp!"
Schon nach Kurzem erkannte Much, dass sie auf diese Weise, keine Chance hatten, die Freunde zu befreien und unbehelligt,
dass Schloss zu verlassen.
Sie lehnten Robin an die Wand. Dann zog Much Timothy zur Seite.
"Kennst du einen sicheren Platz für Robin, wo wir ihn verstecken können?"
Timothy nickte
"Ich bring ihn sicher da hin, es ist nicht weit! Kümmer du dich um eure Gefährten!"
Much nickte.
Er ließ sich erklären, wo er sie finden würde.
Dann gab er Timothy noch weitere Instruktionen, denn inzwischen war ein Plan in ihm gereift und er musste bereits
schmunzeln, wenn er an dessen Durchführung dachte.
Timothy beschrieb Much noch verschiedene Wege, anschließend trennten sie sich.
Much hastete vorwärts.
Ohne Umstände fand er die erste der Zellen.
Durch das eiserne Gitter der Tür konnte er John und Will erkennen.
Sie lagen auf dem dreckigen Stroh, Arme und Beine ebenfalls angekettet, nur mit dem Unterschied, dass hier genug
Spielraum blieb, sich zu bewegen und die Körperposition zu ändern.
"Psssst! John, Will!"
Muchs Stimme weckte die Beiden.
John grinste: "Schön dich zu sehen, Kleiner!
Will dagegen polterte: "Wurde aber auch Zeit! Du hast uns ganz schön warten lassen!"
Aber auch er war froh, Much zu sehen.
In Windeseile öffnete Much die Kerkertür und löste die Eisenfesseln.
John streckte und reckte als Erstes seine enormen Gliedmaßen.
Nun erhielten die beiden Waffen aus Muchs Vorrat. Danach begaben sie sich gemeinsam zur nächsten Tür.
Dahinter fanden sie Tuck und Nasir.
Ohne Umschweife öffnete Much auch diese Tür.
Ein Glück, dass diese Schlüssel anscheinend alle Türen und Fesseln aufschlossen.
Und nur wenig später standen die beiden ebenfalls bewaffnet neben ihnen.
"Und nun zu Robin! Der dürfte in keinem beneidenswerten Zustand sein!" Little John wollte sich direkt auf die Suche manchen.
"Schon geschehen!"
"Was?"
Ungläubig starrte John Much an.
"Du hast schon richtig gehört! Robin ist bereits frei und einigermaßen in Sicherheit!"
Bevor noch irgendeiner etwas sagen konnte, tauchte Timothy auf.
Will wollte dem Jungen gerade an den Kragen, als Much eingriff:
"Halt, Will! Der Junge ist mein Freund und ohne ihn stände ich jetzt nicht hier!"
"Diese kleine Ratte...?"
Will zeigte sein grimmigstes Gesicht.
"Reiß dich zusammen, Will, sonst kommen wir hier nie raus!" griente Much.
"Du bist also der, den sie Scarlett nennen? Wieviele von den normannischen Schweinen hast du bereits erldigt?"
Timothy fragte ganz ohne Scheu und blickte Will dabei offen ins Gesicht.
Verlegen kratzte sich der am Kinn: "Ja, weißt du, ..mmmh, .. manchmal....!"
"Schon klar!" strahlte Timothy zurück: "Es gibt genug Gründe um diese Halunken ins Jenseits zu befördern!"
"Da hast du recht!" grinste Will und schlug dem Jungen kameradschaftlich auf die Schulter.
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