Ritter und Räuber

Robin of Sherwood Rollenspielforum
 
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 Wie ein Blatt im Wind

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Alan a Dale
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BeitragThema: Wie ein Blatt im Wind   So März 13, 2011 1:53 pm

Wie ein Blatt im Wind

Die Bäume rauschten leise in der samtigen Dunkelheit, die sich über den schlafenden Wald gelegt hatte. In der Stille der Nacht waren Geräusche hörbar, die man am Tage kaum beachtete. Gedämpftes Huschen und Rascheln im Unterholz. Lautlose Schwingen, die irgendwo weit oben die Finsternis durchschnitten und das beruhigende Knistern des Feuers, neben dem Alan saß und wachte. Eine tröstliche Ruhe hatte ihn ergriffen, wie schon lange nicht mehr. Er atmete die kühle Nachtluft und schloss die Augen. Es war so weit.

Leise erhob er sich und ließ seine Decken fallen. Seine Blicke glitten über die Schlafenden, die in kleinen, dunklen Haufen um das Feuer lagen. Menschen, die er kennen und mögen gelernt hatte. Und die er zurücklassen würde, wie so viele andere vor ihnen. Es schmerzte. Wehmut hatte ihn erfasst und doch...gab es keinen anderen Weg.

Sacht trat er an eine der Schlafenden heran. Er kniete nieder und lauschte den sanften, gleichmäßigen Atemzügen ihres Schlafes. Seine Hand zitterte, während er sie in einer hilflosen Geste nach ihr ausstreckte. Sanft berührte sein Finger ihre Wange. "Leb wohl." Sein Flüstern verlor sich im Wispern des Windes, der leicht durch die Wipfel der Bäume strich.

Rasch erhob er sich und schritt davon. Der Boden dämpfte federnd seine Schritte. Am Rande des Lagers blieb er stehen und sah ein letztes Mal zurück. Augenblicke stand er still. Ließ sich berühren von diesem Leben, das nicht für ihn bestimmt war. Dann drehte er sich um und verschwand im Dunkel der Bäume.

Melody wartete schon auf ihn. Beruhigend strich er ihr über die Nüstern und ließ sich willig von ihr beschnuppern. Sie schnaubte leise und stupste ihn an. Er lächelte und sein Herz wurde leicht. Fest klopfte er die Seite ihres Halses und schwang sich dann auf ihren Rücken. "Komm. Lass uns gehen...du bestimmst den Weg. Wir haben alle Zeit der Welt..."

Gedämpft klangen die Schritte des kleinen Pferdes auf dem laubbestreuten Waldboden. Nur Augenblicke später waren Barde und Tier von der Dunkelheit verschluckt.

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Felicia de Rainault
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BeitragThema: Re: Wie ein Blatt im Wind   So März 13, 2011 4:09 pm

Felicia träumte. Sie träumte schlecht. Immer wieder rief sie einen Namen. Doch der, den sie rief, hörte nicht, reagierte nicht, schaute sich nicht einmal mehr um. tränen liefen über ihr Gesicht, während sie versuchte, ihn zu erreichen. Ihre Stimme längst heiser vom Schreien, brach, wurde zum Flüstern. Ihre Füße eilten durch den Wald, ihr Blick unstet suchte und fand nicht. Enge schien ihr Herz zu erdrücken. Sie erinnerte sich, an die letzte Berührung. Sanft. An
ein Wort "lebe wohl!" und eisige Furcht beschlich sie. Ließ sie rennen und rennen, bis ihr Herz raste, bis sie haltlos weinend zusammenbrach. Sie bekam keine Luft mehr, schreckte hoch
und blickte sich um.

Im ersten Moment schien alles wie immer, längst vertraut. Das heruntergebrannte Feuer, die von Decken umhüllten Gestalten der Freunde. Geräusche der Nacht, die ihr nun längst nicht mehr unheimlich waren, alles schien friedlich und doch, die Unruhe blieb. Das Gefühl eines großen Verlustes. Das Gefühl, sich auf die Suche machen zu müssen, nach etwas, das man verloren hatte, zu laufen und zu rufen.

Sie schlug die Decke zurück und erhob sich. Blickte von Schläfer zu Schläfer und dann sah sie es, eine Decke, achtlos liegen gelassen. So als sei der Schläfer nur kurz aufgestanden, um sich zu erleichtern. Sie trat hinzu, bückte sich, fühlte den Stoff, ließ ihn zwischen den Fingern hindurch gleiten, fühlte die Kälte und Nässe. Diese Decke lag nicht erst seit eben hier so einsam. Und ihr Blick ging wieder über die Schlafenden und zählte leise.

Der Schreck fuhr durch ihre Glieder. Einer fehlte. Und mit scharfer Gewissheit, mit einer Klarheit, die schmerzte, wusste sie, wer fehlte. "Alan!" flüsterte sie und ihre Kehle schnürte sich zu. Sie rang um Atem und begann zu zittern.

Langsam erhob sie sich, blickte noch einmal zu den anderen, hob bedauernd die Hände, überlegte kurz, doch dann nahm sie nur schnell einen Umhang, ein Brot, ein Stück Fleisch vom Abend, eine und zwei dünnere Decken, schnürte alles zu einem Bündel und lief los. Sie schaute sich um. Wohin sollte sie sich wenden? Wo suchen?

Es war egal, der Wald war groß und sie war nicht Nasir. Würde sie jemals seine Spur finden? Selbst wenn sie sie suchte? Verzweiflung, ob der aussichtslos scheinenden Lage. Der Traum kam wieder in ihren Sinn, das Gefühl der Hoffnungslosigkeit überflutete sie. Und dennoch begann sie zu rufen, sobald sie weit genug vom Lager entfernt war, um dort nicht alle zu
wecken. Sie rief und lief. Lief und Rief. Immer wieder, so laut sie konnte.

"Alan!" Alan! Wo bist du? Warum läufst du weg! Lass dich doch von mir finden!"

Je länger sie suchte, desto größer wurde ihre Verzweiflung. Sie hielt kurz an, stützte sich am Stamm einer Eiche ab, blickte verzweifelt nach oben und begann zu beten. Die Sonne kam inzwischen schon hervor und färbte den Himmel. Das Gefühl der Verlassenheit war
allumfassend. Sie stolperte weiter vorwärts, sah, wie der Wald sich öffnete, Wiesen und Felder waren zu sehen, ein Dorf in der ferne und Felicia lief darauf zu. Sie fragte. Und manantwortet ihr. Ein Reiter. Ja, vor noch nicht all zu langer Zeit. Ein kleines, buntes Pferdchen.

Feli nickte eifrig. Man deutete ihr die Richtung an. Sie nahm noch einen Schluck Ale, den ihr eine Bäuerin reichte, dann eilte sie weiter. Rastlos. Haltlos. Sie musste ihn finden.
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Alan a Dale
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BeitragThema: Re: Wie ein Blatt im Wind   So März 13, 2011 4:13 pm

Je weiter er ritt, desto unwirklicher wurde alles, was geschehen war. Schien zu verblassen mit der schwindenden Nacht und von ihm abzufallen wie eine dunkle Last, die drückend auf ihm gelegen hatte. Hinter ihm schob sich die Sonne langsam über den Horizont und streichelte seinen Rücken mit ersten zaghaften Strahlen. Er sah den Weg, der im warmen Licht tauglitzernd und frisch vor ihm lag und der seine Freiheit bedeutete. Und Einsamkeit. Es tat weh und war Erlösung zugleich. Wie immer, wenn er weiterzog. Wie immer, wenn er einen Ort verließ, an dem er etwas zu lange geblieben war.

Dass es diesmal anders war, dass es diesmal da noch jemanden gegeben hatte, wie niemanden je zuvor, wollte er nicht wahr haben.

Melody zockelte in ihrem eigenen Tempo voran und brachte ihn durch Ortschaften und Weiler. Er scheute sich davor, zu bleiben und nahm sich nur das Nötigste, das er sich von den Menschen dort erbat und gegen eine kleine Hilfeleistung, ein Lied, eine Auskunft meist auch erhielt.

Noch wusste er nicht was sein Ziel sein würde. Und ob er überhaupt eines hatte.

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Felicia de Rainault
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BeitragThema: Re: Wie ein Blatt im Wind   So März 13, 2011 4:34 pm

Felicia wanderte und wanderte, immer wieder fragte sie entgegenkommende Menschen, ob sie einen Reiter auf einem scheckigen Pferd gesehen hätten, einen Barden und sie beschrieb Alan. Man war freundlich zu ihr und wies ihr den Weg, fast jeder konnte sich an den Reiter erinnern. Eine Hoffnung keimte in Felicia, anders als in ihrem Traum, fand sie eine Spur,konnte ihr, wenn auch langsam folgen.

Doch schon gegen Mittag wurde ihr bewusst, dass sie es nie schaffen würde ihn einzuholen. Sie hatte den nächsten Weiler erreicht und die Leute erzählten, der Reiter habe nur kurz gehalten, ein Lied gesungen, sein Pferd getränkt und ein paar Silbergroschen erhalten für sein Lied und seine Nachrichten aus dem Sherwood. Dann sei er weiter geritten.

Felicia ließ den Kopf hängen. Wenn er nirgends länger blieb, anhielt und rastete, dann könnte sie ihn nicht erreichen. Sie begann zu zweifeln. Er war heimlich gegangen, mitten in der Nacht, hatte sich nicht richtig verabschiedet. Niemand hatte ihn hindern sollen, er schlich sich einfach davon. Sicher war er ihrer überdrüssig geworden, fühlte sich eingeengt, beschränkt in seiner Freiheit und hatte sicher kein Interesse, sich um sie zu kümmern. War ihrer längst überdrüssig. Sie konnte nicht verhindern, dass eine Träne ihre Wange herabrollte.

Die Frau sah es und trat auf sie zu.
"Du suchst ihn, nicht wahr Kind? Liebst du ihn?"

Felicia nickte, tränenblind.

"Und er ist gegangen, nachts, nicht wahr?"

Erneutes Nicken.

"Lass ihn ziehen, Mädchen! So Burschen halten es nirgends lange aus. Er wäre wie ein Vogel im Käfig. Und du gehst daran zugrunde, wenn du nicht los lässt!"

Doch Trotz regte sich in Feli. Sie würde nicht aufgeben, musste ihn finden. Wenigstens um ihm zu sagen, wie weh er ihr tat und dann sollte er ihr ins Gesicht sagen, dass sie gehen sollte. Dass er sie nicht haben wollte, sie nicht liebte. Aber so billig würde sie ihn nicht davonkommen lassen. Sich einfach nachts davon zu stehlen. Sie spürte Wut in sich aufwallen.Sie rieb ihre wunden Füße.

"Gute Frau, wisst ihr jemanden, der ein Pferd zu verkaufen hat?"

"Ein Pferd? Du willst ihm also weiter hinterher?"

Felicia nickte.

"Ich hoffe, du tust das Richtige und er ist es wert!"

"Ja, er ist es wert. Ich bin mir sicher!"

"Nun denn, ich weiß, dass der Thane vom nächsten Dorf ein Pferd zu verkaufen hat, aber ob du genügend Geld hast, es zu erstehen?"
Ihr Blick flog abschätzig über die junge, zierliche Frau vor ihr.

"Das lasst meine Sorge sein!"
Felicia verabschiedete sich. Und suchte im nächsten Ort den Thane auf.

Er war verwundert über die Anfrage Felicias.
"Kannst du denn das Tier bezahlen?"
Er nannte einen stattlichen Preis und blickte die Frau vor sich kritisch an.

"Zeigt mir das Pferd, ich will wissen, ob es das wert ist, was ihr verlangt!"
Er lachte auf. "Entweder ihr zahlt den Preis oder schert euch gleich davon.

"Ich will das Pferd sehen!"

"Unter Freunden wäre es noch mehr wert!"

"Zeigt es mir!"
Felicia reckte ihr Kinn trotzig vor und der Mann gab nach.
"Verdammich, ich hab selten so ein halsstarriges Weib wie euch gesehen. Was macht ihr hierüberhaupt und wo wollt ihr so alleine hin?"

"Ich suche jemanden!"

"So, wen denn?"

Sie beschrieb Alan und erhielt die Auskunft, er sei noch am Vormittag vorbeigekommen. Felicia schluckte schwer. Sie verlor zu viel Zeit. Wenn es so weiter ging würde sie ihn doch noch aus den Augen verlieren. Aber sie wusste, zu Fuß hatte sie keine Chance ihn einzuholen.

Hartnäckig handelte sie und erstand das Pferd für einen Preis weit unter seinem Wert.

"Wenn ich immer nur solche Käufer wie euch fände, müsste ich bald betteln gehen!" seufzte der Thane.

Und dennoch schwang ein klein wenig Bewunderung in seiner Stimme mit.
Felicia trieb das Tier an. Bis Sonnenuntergang musste sie noch weit kommen und unbedingt aufholen. Das Pferd wieherte laut und jagte mit ihr dahin. Sie juchterte kurz auf und musste an ihre weiße Stute denken und an das Wettrennen, das sie gegen Alan gewonnen hatte.

"Und ich finde dich doch, Barde!"
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Alan a Dale
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BeitragThema: Re: Wie ein Blatt im Wind   Mo März 14, 2011 11:08 am

Das Klackern der Pferdehufe auf dem Pflaster der Straße klang ungewohnt und doch vertraut. Alans wacher Blick streifte Bekanntes, während er Melody durch die Gassen führte, sich umsah und die Stadt auf sich wirken ließ. Und ankam, auch innerlich. Gebäude, Winkel und Straßenzüge, die er blind kannte. Die Sicherheit versprachen und die Möglichkeit, jederzeit untertauchen zu können, irgendwo in den vielen Schlupfwinkeln, Nischen und ungenutzten Passagen abseits der Straßen, die kaum jemand so gut kannte wie einer, der hier aufgewachsen war.

Um Deepdale hatte er einen Bogen gemacht. Der Weg zu seinem Ziel führte zwar hindurch, doch er hatte den kleinen Weiler, die Abtei, die Erinnerung weiträumig umritten, ohne zu zögern. Lange Jahre war er hier nicht mehr gewesen und er hatte kein Bedürfnis verspürt, dies zu ändern, sich erwischen zu lassen. Leichtsinnig wäre es gewesen, verantwortungslos. Und wenn er eines gelernt hatte aus dem, was ihm widerfahren war, dann, dass er nicht mehr vertrauen durfte.

Der Wirt stellte keine Fragen. Er sah die glitzernden Münzen in Alans Hand und war ohne Weiteres bereit, Melody für längere Zeit unterzubringen. Alan kannte den Mann von früher und wusste um seine absolut zuverlässige Geldgier, die keine Skupel kannte. Auch Informationen ließen sich so erhalten und er erfragte sich geschickt und unauffällig, was er erfahren wollte. Niemand wusste hier, was ihm geschehen war, wozu er geworden war.
Bisher. Das hieß, er war sicher. So sicher, wie es jemand mit seiner Stellung sein konnte. Alan tauchte in der bunten Menge der Stadtbewohner unter. Seine Finger waren flink bei der Arbeit. So flink, dass niemand es sah, und die meisten es erst bemerkten, wenn er längst am anderen Ende des Marktplatzes oder in einer Gasse untergetaucht war. Natürlich aber blieb sein Tun nicht wirklich unbeobachtet.

"Hallo Alan." Der großgewachsene Rotschopf stand wie aus dem Nichts plötzlich vor ihm, links und rechts an seinen Seiten zwei weitere zerlumpte Gestalten. Ein zahnloses Spucken auf den Boden und ein misstrauischer Blick aus grauen Augen war dort die Reaktion.

Alan wich leicht zurück an die Wand. Sein Blick wanderte rasch und unaufällig umher. Sie waren alleine in der Gasse.

"Hallo Ron," antwortete er vorsichtig.

"Schön, dass du dich mal wieder blicken lässt." meinte Ron beiläufig und nickte in die Richtung seiner Hände. "Was hast du da?"

Natürlich wusste er es genau. Alans Finger krampften sich unwillkürlich fester um die beiden Beutel mit Münzen.

"Geld..."

"So. Geld. Dein eigenes?"

Ein kurzes Zögern, dann schüttelte Alan den Kopf und wich Rons Blick aus. "Nein."

"Du wilderst in unserem Gebiet." Eine Feststellung. Mehr nicht. Dennoch genügte sie, um Alan unbehaglich schlucken zu lassen.

"Was tun wir da bloß?" kam die sanfte Nachfrage. Und wie zufällig trat Ron einen Schritt näher.

"Du...ich...ich..." Alan begann zu schwitzen und presste sich fester an die Mauer in seinem Rücken. Er wollte das Geld nicht abgeben, denn er brauchte es. Doch ganz sicher war er nicht scharf darauf, am Ende des Gespräches ein paar Zähne weniger zu haben. Er kannte Ron. Sie waren einmal fast so etwas wie Freunde gewesen. Und deshalb wusste Alan, dass mit Ron nicht zu spaßen war.

"Ich gebe dir einen Teil davon?" fragte Alan zaghaft.

"Die Hälfte." kam sofort die Forderung.

Alan nickte erleichtert.

"Die Hälfte von allem, was du dir jetzt und in Zukunft hier verdienst. Du bringst es mir. Du wirst mich finden, nicht wahr?" Rons Augen bohrten sich in die seinen, während sich seine Hand fordernd ausstreckte.

Mit nur unmerklich zitternden Fingern reichte Alan zwei der vier Beutel hinüber zu Ron. "Ja. Ich finde dich," sagte er leise.

"Gut." Ron wog seine Beute leicht in der Hand und grinste zufrieden. Dann legte er eine Hand auf Alans Schulter. "Hey, schön dass du wieder da bist, alter Freund. Willkommen daheim." Er lächelte versöhnlich, machte eine auffordernde Kopfbewegung und schlenderte dann mit seinen beiden Kumpanen davon.

Alans Blicke folgten ihnen. Dann sah er auf die beiden Beutel in seiner Hand. Er seufzte leise. Natürlich würde es so länger dauern, sich wieder eine Laute kaufen zu können. Doch eigentlich hatte er nicht damit gerechnet, unbehelligt mit seiner Dieberei durchzukommen. Es herrschten Regeln und Gesetze. Auch ganz unten in der Gesellschaft.

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Felicia de Rainault
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BeitragThema: Re: Wie ein Blatt im Wind   Mo März 14, 2011 11:39 am

Felicia folgte ihm mehrere Tage ohne ihn zu erreichen, die Gegend, obwohl gar nicht so weit von Nottingham entfernt, war ihr dennoch unbekannt.
Sie fühlte sich einsam, verlassen und schutzlos. Mehr als einmal rettete sie nur die Schnelligkeit ihres Pferdes vor unangenehmen Begegnungen mit Männern, die ihr lüsterne Blicke zugeworfen hatten.

Nachts wickelte sie sich in die Decken und zitterte meist leise vor sich hin. Ein Feuer zu entzünden wagte sie nicht, um niemanden anzulocken. Ihr Mundvorrat war längst aufgebraucht und das Wenige, was wohlwollende Leute ihr aus Gutmütigkeit zusteckten, reichte kaum um den Hunger zu stillen. Geld hatte sie keines mehr, der größte Teil war für das Pferd drauf gegangen, der Rest war ihr wohl gestohlen worden.

An diesem Tage nun erreichte sie eine Stadt. Man berichtete ihr, der Gesuchte habe die Stadt betreten, doch ob er sie durch eins der anderen vielen Tore schon wieder verlassen hatte? Wer konnte das schon sagen? und wie sollte sie ihn in diesem Gewimmel von Gassen und Gässchen finden? WO sollte sie ohne Geld ihr Pferd unterstellen? Und wenn sie es verkaufte?

Wie würde sie ihm dann noch folgen können, wenn er weiterzog? Natürlich war die Frage, ob sie es überhaupt erfahren würde. Die Resignation, die über sie hinschwappte, war beinah grenzenlos. Mit gesenktem Blick trottete sie durch die Straßen. Niemand beachtete sie.

Hunger nagte in ihren Eingeweiden und sie seufzte leise. War er das wert? Was sollte sie tun, wenn sie ihn nicht fand? Umkehren? Doch dieser Gedanke behagte ihr so gar nicht. Deshalb schob sie diese Entscheidung noch auf.Mutlos ließ sie sich auf den Stufen der Treppe nieder, die zur hiesigen Kirche führten.

"Weg da, das ist mein Platz! Bist wohl neu hier, oder? Jeder hier sonst weiß, dass hier nur die alte Hinke-Lina um Almosen bitten darf!"

Eine keifende Alte trat auf sie zu und schwang drohend ihren Stock.

"Aber ich wollte mich doch nur ausruhen...!"

"Tu das woanders, hier ist mein Platz! Und nun verschwinde!"

Felicia erhob sich eilig und hastete davon. Der drohende Stock des häßlichen Weibes verfehlte seine Wirkung nicht. Felicia hatte keinen Bedarf, Schläge zu beziehen. Sie wanderte weiter. Langsam dämmerte es und sie wusste, sie brauchte eine Unterkunft, doch wo sollte sie hin?

Ihre ziellose Wanderung durch die Gassen der Stadt brachten sie schließlich in ein heruntergekommenes Viertel, hier gab es viele leere, fast einfallende Häuser, es war düsterund ungemütlich. Schließlich bog sie in eine kleine Gasse ein, dort vorne war eine winzige Hütte, vielleicht konnte sie dort die Nacht verbringen und ihr Pferd unterstellen.

Plötzlich jedoch kamen dunkle Gestalten und versperrten ihr den Weg.
"Wohin denn schönes Fräulein? So ganz allein unterwegs? Und welch hübsches Pferdchen siehat! Das ist sicher einiges wert!"

"Lasst mich in Ruhe, Verschwindet!" Felicia schnappte sich eine Latte und schlug um sich.

"Ui, eine Furie! Die ist ja wild, dabei sieht sie aus, wie ein Engel" , der Kerl packte zu und riss an der Latte. Mit einem Aufschrei musste Feli das Holz fahren lassen, wenn sie nicht zu Bodengerissen werden wollte. Der rohen Gewalt der groben Kerle hatte sie nichts entgegenzusetzen. Der eine Bursche griff nach ihren Haaren, sie kreischte auf und wollte zurückweichen, dabei stolperte sie über einen herumliegenden Dachbalken, der aus dem Firsteines der Häuser herab gekracht war.

Sie landete unsanft auf ihrem Hinterteil. Wieherndes Gelächter war die Folge. DIe Burschen näherten sich mehr und mehr. Ihr Herz raste, wie konnte sie hier nur entkommen? Schon packte man sie, riss sie auf die Beine, sie wurde hin und her gestoßen, Man zeriss ihr ohnehin fadenscheinig gewordenes Kleid. Tränen wollten aufsteigen und sie drängte sie nur mühsam zurück.

Wie hatte sie nur so dumm sein können, Alan hinter her zu rennen. Nun war sie allein und würde es sicher bitter büßen. Sie fühlte sich unendlich hilflos und ausgeliefert. Was ihr nochgeschehen würde in dieser Nacht, wollte sie sich lieber nicht vorstellen.
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Alan a Dale
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BeitragThema: Re: Wie ein Blatt im Wind   Mo März 14, 2011 12:02 pm

So spät noch unterwegs zu sein war normalerweise nicht ratsam. Schon gar nicht in den Winkeln und Gässchen in die sich kein braver Bürger jemals alleine, geschweige denn bei Nacht wagte. Doch es war Abend und Nacht geworden, nachdem er Ron gesucht hatte, um die Hälfte seiner Tageseinnahmen bei ihm abzuliefern. Das so hart verdiente teilen zu müssenwurmte Alan und doch wusste er, dass er es hätte bedeutend schlechter treffen können. Andere mussten noch mehr abgeben um sich ihres Lebens in der Hackordnung des Diebes- und Bettlergesindels sicher sein zu können.

Bei Ron und seinen Kumpanen hatte er essen und ein Ale trinken können und ein Schwätzchen über alte Zeiten gehalten. Die Ruine unten am Fluss war noch immer ein guter Unterschlupf. Kein vernünftiger Mensch wagte sich dort hin, wenn er nicht musste. Nicht einmal die Soldaten. Man sprach von Geistern und Toten, die sich dort umtrieben, jemand, der dort ermordet worden war, unschuldig gestorben und nun nach Rache trachtete. Und das düstere, halb verfallene Gebäude direkt am Wasser, das häufig unerklärlich von Nebelschwaden verhangen war, ließ der Fantasie diesbezüglich freien Spielraum. Es war natürlich Unsinn. Die einzigen, die dort ihr Unwesen trieben waren diejenigen, die dort ein Nachtlager suchten und fanden.

Alan hatte es allerdings vorgezogen zu gehen, nachdem sich das Gespräch in eine ihm unangenehme Richtung gewandt hatte. Frauen. Welche er gehabt hatte. Und wie viele. Vor seinen Augen hatte sich unweigerlich die eine gezeigt, die er am dringendsten vergessen wollte. Ein abrupter Aufbruch war die Folge gewesen.

Alan zog die Kapuze seines braunen Mantels tiefer ins Gesicht und huschte eilig und möglichst unauffällig in den Schatten der baufälligen Häuser und Katen durch die verwinkelten Gassen.´Es stank nach Fäkalien und Moder und mehr als einmal trat Alan in etwas, das er besser nicht bei Tageslicht besehen wollte.

Irgendwo in der Ferne kreischte eine Frau. Hunde bellten und Alan konnte erst im letzten Augenblick dem heranstürmenden Schatten ausweichen, der ihn beinahe über den Haufen rannte. Einer der Straßenstreuner, die es hier beinahe so häufig gab wie anderes Gesindel, Betteljungen und Halsabschneider.

Am Ende der Gasse tauchten Gestalten aus der Nacht. Mehrere Kerle, die sich in rauen Späßen ergingen. Gelächter und zotige Rufe wehten herüber. Ein Weib schien Mittelpunkt des Geschehens zu sein, Alan konnte ihre leisen Protestschreie hören. Eine Szene die sich wohl jede Nacht duzendfach in den schäbigeren Straßen der Städte des Landes abspielten. Nichts Besonderes, aber unangenehm, wenn man den Männern ins Gehege kam. Alan zögerte. Dann schritt er rasch aus, sich an der Mauer entlang schiebend, den Blick gesenkt haltend und mit seinem ganzen Körper signalisierend, dass er nur rasch vorüber wollte.

„Lasst mich, bitte nicht! Nein!“ Die Stimme traf ihn wie ein eisiger Schlag. Alan erstarrte. Langsam drehte er sich. Sein Blick fiel auf die Szene, die sich seitlich von ihm im Halbdämmer des Mondlichts entfaltete. Am Boden zwischen den Beinen der Kerle kauerte eine Frau. Ihre hellen Haare stachen beinahe schmerzhaft vom Dunkel des Grundes ab. Felicia.

Der Atem stockte ihm in der Kehle. Was tat sie hier? Wie leichtsinnig konnte man sein? Er drängte den Gedanken zur Seite. Sie war in Gefahr, er musste ihr helfen. Der Instinkt, sich vorwärts zu stürzen und sich schützend vor sie zu stellen war beinahe übermächtig. Und falsch. Tödlich falsch.

Alan atmete tief durch. Dann reckte er sich zu seiner ganzen Größe empor und trat aus dem Schatten der Hausmauer. Er räusperte sich. Köpfe fuhren herum.

„Hey, was willst du denn hier. Verschwinde, oder es setzt was!“ Unwillig ob der Störung knurrten die Männer ihn an.

„Ich will das Weib.“ Entgegnete Alan ruhig und fest. Innerlich klumpte die Angst in seinem Magen.

Gelächter und Spott waren die Antwort. Einer der Kerle trat dich an ihn heran. „So. Du willst die kleine Hure also haben. So ein Pech aber auch. Sie gehört uns. Und wir haben nicht vor, sie zu teilen. Und nun verschwinde...“ Ein leichter Stoß traf ihn vor die Brust. „..oder du hast gleich ein großes Problem.“

Alan schluckte und begann zu schwitzen. Seine Stimme jedoch zitterte nur unmerklich, während er den Beutel mit seinem Anteil an Münzen hervorzog und in die Höhe hielt. „Ich bezahle euch. Ich kaufe sie euch ab. Kommt schon…ihr…könnt euch jederzeit eine neue besorgen…und sicher ist das hier mehr, als sie wert ist.“ Er sah nicht zu Felicia hinüber. Sein Blick haftete an dem Kerl, der drohend vor ihm stand.

Eine blitzschnelle Handbewegung, und der Mann hatte den Beutel in der Hand. Alan ließ es geschehen. „Danke sehr. Ich frag mich grade nur, was mich daran hindern sollte, das Geld zu behalten und das Weib. Und…“ musternde Blicke glitten über Alans Körper und er krümmte sich innerlich vor Unbehagen,“ …vielleicht auch dich leckeres Bürschchen?“ Ein dreckiges Grinsen folgte.

„Kennst du Ron? Den roten Ron?“ fragte Alan bemüht beiläufig.

Da war leises Flackern in den Augen des Anderen, zumindest hoffte Alan es.

„Ich arbeite für ihn. Er wäre sicher sehr…enttäuscht…wenn ich nicht zurückkäme…und wenn er erführe…dass mein Geld so …unglücklich…verloren gegangen ist.“ Alan hielt den Atem an und wartete auf eine Reaktion.

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Felicia de Rainault
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BeitragThema: Re: Wie ein Blatt im Wind   Mo März 14, 2011 12:16 pm

„Ich will das Weib!“ Felicia zuckte zusammen. Die Worte waren harsch, die Stimme barsch. Aber sie kannte diese Stimme, wenn auch meistens freundlich oder bittend, aber nie so fordernd. Der Tonfall ging ihr durch und durch und jagte kalte Schauer über ihren Rücken. Und doch machten ihr die Worte Hoffnung.

In ihrer Not und Bedrängnis hatte sie nicht bemerkt, dass sich überhaupt jemand genähert hatte. Noch nicht mal, als dieser Jemand vorgetreten war und der Anführer der Bande ihm sein „Verschwinde oder es setzt was!“ entgegen gerufen hatte.
Scheu hob sie den Blick, um sich zu vergewissern, dass es tatsächlich Alan war, dessenStimme sie gehört hatte. Und tatsächlich, dort stand er, sein Körper drückte die Forderungaus und sein Blick war ungewohnt hart. Er sah sie nicht an, sondern seine Augen waren starr auf den Anführer der Bande gerichtet.

Angst krampfte sich um Felicias Herz, wie sollte Alan gegen diese Kerle bestehen. Sie wusste er war ihre Hoffnung, ahnte, dass seine Forderung so barsch sie klang, ihrer Rettung diente, aber sie hatte keine Ahnung, ob er damit Erfolg haben konnte. Sie zitterte weiter. Nun nicht nur um sich selber, sondern auch um Alan. Sie hoffte inständig, dass er nicht in der Gefahr umkam, in die er sich Ihretwegen gestürzt hatte.

Mit Sorge verfolgte sie das Gespräch, starrte ängstlich auf die Männer, die sich feindselig gegenüber standen.

„Ich kaufe sie euch ab!“ Alans Worte ließen sie aufkeuchen. Sie konnte nicht fassen, dass er sich auf einen Handel mit den Unholden einlassen wollte und woher sollte er so viel Geld haben?

„...und sicher ist das hier mehr als sie wert ist!“ Die Worte schnitten ihr ins Herz. Sie blickte zu Boden, errötete, fühlte sich wie eine Ware, um die man schachert. Eine Träne stieg auf. Wie viel mochte in dem Beutel sein? Warum bemühte er sich eigentlich um sie, wenn sie ihm doch nichts wert war? Sollte er sein schäbiges Geld, sicher Diebesgut doch behalten... sie kämpfte mit den Tränen, schluchzte kurz auf und biss sich auf die Lippen.

Du bist undankbar, er hilft dir.... nimm nicht ernst, was er sagt, doch die Worte gruben sich in ihr Herz und es schmerzte so unendlich, dass sie meinte, es nicht auszuhalten. Die Antwort des Bandenführers bekam sie nicht mehr richtig mit, nur soviel, dass er nun anscheinend alles behalten wollte, Geld, Alan und sie. Ein Würgen stieg in ihre Kehle. Was waren das nur für Menschen?

Alans Anspielung auf einen Ron verstand sie nicht, doch sie sah, wie die Kerle reagierten, sie blickten sich an, hinter ihr wisperte es leise, dann kam ein erstaunlich kleinlautes: „Ist ja schon gut Mann, war nurn Scherz! Du kannst sie haben! Mit Ron wollen wir keinen Ärger!“ Der Grobian trat den Rückzug an, einige der Bande waren schon abgetrabt und nun zogen sich auch die anderen zurück. „Hey du!“ Der Anführer hatte sich noch mal umgewandt: „Viel Spaß mit dem hübschen Täubchen und nichts für ungut,... Ich konnt ja nicht wissen... du weißt schon... grüß Ron... ich mein, sag ihm, ich komm ihm nicht in die Quere!“

„Wie ist denn dein Name, du Milchgesicht!“

„Man nennt mich Pocken-Jim! Und vergess nicht... grüß den Boss... sag ihm, würd gern mal wiedern Coup mit ihm machen!“

Dann verschwand Jim endgültig und wurde von der Finsternis verschluckt.
Felicia hockte immer noch scheinbar ungerührt am Boden, sie hatte die Arme um sich geschlungen, als könne sie sich so schützen oder wärmen. Ihr war unendlich kalt und sie zitterte unkontrolliert. Sie wagte nicht aufzublicken. Was würde Alan nun denken, was sagen?

Würde er einfach gehen und sie hier hocken lassen? Oder würde er mit ihr schimpfen, wegen ihres Leichtsinns? Oder würde er...? Sie wollte sich selbst diesen Gedanken verbieten... doch er kam mit Macht.
Ich will das Weib... und sicher ist das hier mehr als sie wert ist!“ Er hatte sie gekauft, würde er sich nun sein gutes Recht nehmen? So, wie diese Kerle es getan hatten? Sie schaudertezusammen.

Damals, damals war er so anders, sie erinnerte sich an sein Lachen, an seine schelmischen, blitzenden Augen, sie hatte ihm immer vertraut, nie Angst vor ihm gehabt,... doch heute Abend war er so anders gewesen, nie zuvor hatte sie ihn derart erlebt.....Sie schluckte schwer.

Das ist mehr wert als sie... deshalb hatte er sie auch allein gelassen, sie war ihm nichts wert. Bitterkeit, Trauer und ein schneidender Schmerz machten sie blind für alles um sie herum, sie blieb einfach hocken und wiegte sich sanft in ihren eigenen Armen. Wieso war sie ihm nur nachgelaufen?

Auch wenn die Kerle nun weg waren, die Angst blieb und sie blickte nicht auf.
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Alan a Dale
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BeitragThema: Re: Wie ein Blatt im Wind   Mo März 14, 2011 6:46 pm

Leise pfeifend ließ er den Atem entweichen, als die Männer sich endlich trollten. Seine Schultern, die er bemüht steif und gerade gehalten hatte, sackten ab. Die Erleichterung machte ihn beinahe schwach und er musste einen Moment die Augen schließen. Er hatte es geschafft. Sie war sicher.

Als er die Augen wieder öffnete, kauerte sie noch in der selben Stellung am Boden. Mit wenigen Schritten war er bei ihr und kniete neben ihr nieder. Sie blickte nicht auf. Sorge umklammerte sein Herz und ließ es schneller schlagen.

„Felicia?“ Seine Hand legte sich auf ihre Schulter. Es versetzte ihm einen Schlag, als sie unterseiner Berührung zusammenzuckte und leicht zurückfuhr. Er schluckte und zog seine Hand zurück. Alles was er hatte sagen wollen, seine Fragen, sein leichter Ärger über ihren Leichtsinn, war plötzlich wie weggefegt. Er sah nur noch sie, wie sie da kauerte, hilflos, verstört und völlig verängstigt. Und verletzt? Seine Blicke huschten durch die dunkle Gasse, die in trügerischer Einsamkeit da lag. Es war nicht sicher hier. Kein Ort, an dem man lange bleiben sollte. Und wer sagte, dass die Kerle nicht zurückkamen, um sich ihr Recht doch noch zu holen? Alan wurde unruhig.

„Feli, bitte, sag mir nur, ob es dir gut geht. Bist du verletzt? Haben sie dir etwas getan?“ drängte er.

Ein schwaches Kopfschütteln war die Antwort und Alan atmete auf. Es genügte, es musste genügen, fürs erste. Rasch zog er seinen Mantel aus und legte ihn ihr über die Schultern, wickelte sie darin ein. Mit sanftem Nachdruck zog er sie nun auf die Füße. Nun war nicht die Zeit, zu reden, sich zu entschuldigen, formvollendet zu sein. Sie mussten schleunigst hier fort.

„Komm.“ Er verlor kein weiteres Wort und steuerte sie zielstrebig durch die verwinkelten Passagen, Gässchen und Pfade des Armenviertels von Derby. Dass sie Schritt halten konnte, beruhigte ihn, doch er spürte ihr Zittern durch den Stoff des Mantels hindurch und sah die Blässe in ihrem Gesicht trotz der Dunkelheit. Ihre Augen schimmerten noch immer groß im Mondlicht und blickten ängstlich. Alan spürte, wie sein Herz sich zusammenschnürte und er bemühte sich krampfhaft, auf den Weg zu achten, um allen neuerlichen unliebsamen Begegnungen auszuweichen.

Vor einer Holzwand, die zwei Schuppen miteinander verband hielt er inne. Er löste eines der Bretter und schob es leicht zur Seite. Im Halbdunkel der sternenklaren Nacht wurde der Blick frei auf den schmalen Raum, der zwischen den beiden Gebäuden lag. Der Ort bot einen trockenen Unterschlupf und war praktisch nicht auffindbar. Schon in seiner Jugend hatte Alan hier manches Mal genächtigt und diesmal hatte er sich sogar ein wenig Stroh von nebenan geliehen und es als Unterlage eingestreut.

„Bitte sehr.“ Alan machte eine einladende Geste und schob Feli dann leicht durch die Öffnung, als sie nicht gleich reagierte. Er duckte sich und folgte ihr ins Dunkle hinein. Hinter sich befestigte er die Latte wieder so, dass es von außen nicht auffallen würde. Dann drehte er sich um und kroch ein Stück vom Eingang fort. Vor sich hörte er Feli rascheln und sah, wie sich ihre Gestalt undeutlich im Zwielicht bewegte. Nur durch wenige Ritzen drang das Licht des Halbmondes in die selbstgeschaffene Höhle.

Alan blieb hocken und seufzte leise. Er wusste nicht recht, wie er ihr nun begegnen sollte. Was er sagen konnte. Er fühlte sich schuldig, weil er davongelaufen war, fühlte Scham, weil sie nun gesehen hatte, woher er kam und zu welchem Menschenschlag er gehörte. Er schluckte. Genau das war es, was er ihr schon mehrmals gesagt hatte und was sie nie hatte glauben wollen. Ich bin nicht so, wie du denkst. Sie hatte ein verklärtes Bild von ihm gehabt, damals, als er noch in der Burg gewesen war und sich bemüht hatte, sich einzufügen, es allen recht zu machen. Ein netter, harmloser, immer fröhlicher Sänger, der unbeschwert und sorglos durch die Lande zog.

Seine Finger tasteten über das Stroh und fanden, was er suchte. Das Bündel an Habseligkeiten, welches er hier gelagert hatte. Er griff hinein und zog das angebrochene Brot hervor, den halbvollen Schlauch mit verdünntem Wein, den er am Nachmittag erstanden hatte. Er nahm sie und legte sie in ihrer Nähe auf das Stroh. Dann sah er zu ihr hinüber. Ihre Augen waren sichtbar glitzernde Punkte, die im Halbdämmer des Unterschlupfs seinen
Bewegungen folgten.

„Bitte iss was.“ Er deutete mit einer Handbewegung auf die Sachen. Dann schlang er seine Arme um die Knie. „Was…was denkst du jetzt? Und warum…warum um alles in der Welt bist du mir so weit hinterhergekommen? Ich kann gar nicht glauben…das war…gefährlich, leichtsinnig…wenn…dir etwas zugestoßen wäre…“ Alan brach ab und weigerte sich, den Gedanken weiter zu verfolgen. Abwartend starrte er zu ihr hinüber.

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Felicia de Rainault
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BeitragThema: Re: Wie ein Blatt im Wind   Mo März 14, 2011 8:06 pm

„Felicia?“ Seine Berührung ließ sie zurückschrecken. Erschrocken blickte sie auf. Was, was würde nun geschehen?

„Feli, bitte, sag mir nur, ob es dir gut geht. Bist du verletzt? Haben sie dir etwas getan?“drängte er.

Sie schüttelte den Kopf. Nein, soweit war es zum Glück nicht gekommen. Sei dankbar hallte es in ihr. Sei dankbar, er hat dich gerettet. Doch der Schock über das Erlebte saß noch zu tief. Und die Sorge, was nun folgen würde, wollte nicht weichen.

Er legte seinen Mantel um sie und sie nahm es dankbar wahr. Es tat gut, gab ihr etwas ihrer alten Sicherheit zurück. Er war sanft und aufmerksam und berührte sie nicht auf unanständige Weise.

„Komm.“

Beinah willenlos folgte sie Alan. Unsicher blickte sie sich um. Jeder Schatten ließ siezurückschrecken, jeder Laut ängstigte sie.

„Bitte sehr.“

Sie starrte die Öffnung an. Doch erst als Alan sie schob, krabbelte sie unbeholfen durch die enge Öffnung ins DUnkel. zuerst sah sie nichts, spürte jedoch warmes, weiches und wie es schien sauberes Stroh unter ihren Händen. Sie krabbelte vorwärts, damit Alan folgen konnte.

Schließlich hockte sie sich hin, unsicher, schluckte schwer. Der Unterschlupf war erbärmlich. Aber besser, als du selbst heute nacht einen gehabt hättest. hier ist es einigermaßen warm und sicher. Sei dankbar. Doch wieder gewann die Angst die Oberhand. Immer noch fühlte sie sich im Bann dessen, was geschehen war. Konnte sie Alans Worte, die er zu den Burschen gesprochen hatte, nicht verstehen. nicht begreifen.

„Bitte iss was.“

Sie blickte auf die Gaben, die er ihr hinschob. ihr erster Gedanke war: lehne es ab. Mach dich nicht abhängig von ihm. Es reicht, was er für dich getan hat. Doch der Hunger war zu groß und ihre Kehle war trocken. Schüchtern und zögernd streckte sie ihre Hand aus und ergriff das Brot, brach ein Stück ab und begann zu kauen. Mit einem Schluck des Weines spülte sie es hinab, spürte wohlige Wärme in sich aufsteigen. Sie aß weiter, langsam kauend, hörte seine Fragen und saß still. Überlegte.

Was dachte sie? Was? Es war als würden alle Gedanken plötzlich fliehen aus Angst ans Licht gezerrt zu werden. Ja, warum, warum war sie ihm nachgelaufen? Doch das war gar nicht die Frage. Die Frage war: Warum war er gegangen? Wieso hatte er sie allein gelassen? War er ihrer Überdrüssig?

Sie schwieg lange, saß nur da und aß.

Schließlich rang sie sich durch: "Danke für....deine Hilfe.....!"

Erneut machte sie eine Pause zitternd zog sie den Mantel Alans enger um sich: Warum war sie ihm nachgegangen? Sie wusste es nicht. Da war unendliche Angst gewesen ihn zu verlieren. Eine allesumfassende Angst. Und sie hatte nicht anders gekonnt. Es war, als fehle ein Teil von ihr, doch wie sollte sie das sagen?
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Alan a Dale
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BeitragThema: Re: Wie ein Blatt im Wind   Mo März 14, 2011 8:15 pm


"Warum bist du gegangen? War dir unsere,...meine Gesellschaft so unangenehm? Und warum ohne Abschied?"

Er hatte die Frage befürchtet, denn sie hatte nagend und bohrend schon die ganze Zeit in seinem eigenen Unterbewusstsein gesessen. Ein Stachel, der sich bei der geringsten Erinnerung schmerzhaft bemerkbar gemacht hatte.

Und er spürte, dass er sie verletzt hatte. War dir …meine Gesellschaft so unangenehm? Alan senkte den Kopf und sah ins Dunkle vor sich. Seine Finger spielten unruhig mit den Halmen unter seinen Füßen. Er fühlte sich schuldig, obwohl er wusste, dass seine Entscheidung richtig gewesen war.

„Es…nein es ist nicht…es…es lag nicht an dir…ich…du bist mir wichtig…und…gerade weil du mir wichtig bist…“ er brach ab und schnaufte schwer. Dann flüsterte er leise. „Ich bin ohne Abschied gegangen, weil ich…sonst nie gegangen wäre. Weil es mir sonst zu schwer gefallen wäre.“

Längere Zeit war Stille, dann raschelte es leise im Stroh, als ob sie sich unbehaglich fühlte, eine neue Position zum Sitzen suchte.

„Und…warum hattest du das Gefühl gehen zu müssen? Warum überhaupt?“ Alan meinte, leichte Verzweiflung, oder war es Enttäuschung, in ihrer Stimme zu hören und schluckte. Er hatte ihr niemals weh tun wollen und er hatte gewusst, dass er das früher oder später tun würde, wenn er blieb. Dass er sie enttäuschen würde.

„Ich… bin gegangen, weil ich glaube, dass….es das Beste so ist…für uns alle. Ich…gehörte dort nicht dazu. Ich wäre…nur eine Last gewesen…ein Fremder, der alles durcheinander bringt. Die Gruppe hat schon…einen Barden. Sie…hat schon jemanden mit flinken Fingern…sie…braucht mich nicht. Und ich..bin es gewohnt alleine zu sein…für mich selbst zu sorgen…ich will nicht schon wieder von anderen abhängig sein…“

Felicia protestierte leise. „Aber ich bin doch ebenso eine Last für sie, ich bin doch genauso fremd dort…“

Alan schüttelte im Dunkeln den Kopf. „Das…ist nicht das selbe. Sie kennen dich schon länger….du bist eine Frau, eine Lady, wie Marion, die sicher über deine Unterstützung dankbar wäre. Und dann….ist da doch Nasir, der sich mit Freude um dich kümmern wird…nicht war? Denn ihr beide habt…da war…einmal etwas zwischen euch…“ Alan ließ den Satz in der Luft hängen. Was er nicht sagte war, wie konnte er jemals mithalten mit ihnen? Mit einem Sarazenen und Kämpfer, einem Ritter und Hochadeligen? Über kurz oder lang würde Felicia unweigerlich erkennen, was und wie er selbst wirklich war und sich enttäuscht von ihm abwenden. Und diesem Schmerz hatte er zuvorkommen wollen. Schon jetzt hatte sie gesehen, woher er kam, zu welchem Menschenschlag er gehörte und ihm war nicht entgangen, dass sie vor ihm zurückgezuckt war. Dass sie nun womöglich Angst vor ihm hatte. Das Wissen tat weh und schnitt tief in sein Selbst. Er versuchte, das Gefühl abzuschütteln, sich davon frei zu machen.

Rasch und bestimmter fuhr er fort: „Nein. Es war richtig, zu gehen. Es war das einzig Mögliche….“

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Felicia de Rainault
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BeitragThema: Re: Wie ein Blatt im Wind   Mo März 14, 2011 8:39 pm

Felicia fühlte sich unwohl. Sie konnte Alan nicht recht verstehen. Er schien sich überflüssig gefühlt zu haben, wie ein fünftes rad am Wagen, dabei hatte doch keiner gesagt, er störe oder falle zur Last, jeder war freundlich gewesen, Marion genauso wie Robin und niemand hatte ihn gedrängt zu gehen.

Oder war sie nur so dumm, es nicht zu sehen? Hatte Alan wirklich Veranlassung so zu denken? Aber wenn ihnen Alan zur Last gefallen wäre, wievielmehr dann sie, sie war das Leben draußen im Wald unter einfachen Verhältnissen doch noch weniger gewohnt als er! Sie müsste dann eine noch viel größere Last für die Gruppe gewesen sein. Sie seufzte leise auf und protestierte: „Aber ich bin doch ebenso eine Last für sie, ich bin doch genauso fremd dort…“

Sie wollte es wissen. Sie musste es wissen. Es schnürte ihr die Kehle zu und sie wartete gebannt auf Alans Antwort. Die ganzen letzten Tage hatte sie sich diese Frage gestellt, warum er gegangen war und sie hatte es nicht verstanden, wollte es vielleicht gar nicht verstehen. DOch nun lauschte sie atemlos und versuchte zu verstehen und je mehr er sagte, desto mehr spürte sie, wie ihr Herz schwer wurde:

„Das…ist nicht das selbe."

Warum nicht? Wo war der Unterschied? Wo zog er die Trennlinie? Sie wollte verstehen und hing an seinen Lippen auch wenn sie ihn im Duster des Verschlages kaum sehen konnte.

"Sie kennen dich schon länger…."

Das ist nicht wahr, einmal vier Tage und dann nur als Lady de Warenne, die Frau ihres größten feindes, bei der sie nicht wussten, ob sie ihr trauen durften oder nicht! Doch sie konnte nicht antworten, da Alan zu schnell fortfuhr....

"Du bist eine Frau, eine Lady, wie Marion, die sicher über deine Unterstützung dankbar wäre." Unterstützung? Was konnte sie Lady Marion schon helfen? kaum etwas, höchstens beim Nähen von Kleidung und auch da? Sie konnte sticken, doch ein hemd, eine Hose hatte sie noch nie alleine genbäht, immer nur Verzierungen gestickt, Initialen in Kissenbezüge, Bordüren, natürlich hatte sie nähen und auch zuschneiden gelernt, doch fehlte die Übung und auch mit Kräutern und mit Kochen kannte sie sich nur wenig aus, sie war zu sehr abseits aufgewachsen. Vieles, was auch Edeldamen lernten, war fern von ihr geblieben. Sie seufzte leise, Sie wäre kaum eine Hilfe gewesen, im gegenteil, Marion hatte Mühe mit ihr, musste ihr vieles zeigen, beibringen und sie bewunderte die Geduld der jungen Outlawlady.

" Und dann….ist da doch Nasir, der sich mit Freude um dich kümmern wird…nicht war? Denn ihr beide habt…da war…einmal etwas zwischen euch…“

das war es, sie spürte es ganz deutlich. ja, ja er hatte Recht, da war einmal etwas gewesen, nasir hatte sie fasziniert, er hatte sie gerettet, er war ein besonderer Mann und da war auch immer noch eineinnige Verbundenheit, doch nur wie unter alten Bekannten. ER würde viel für sie riskieren, das wusste sie und auch sie würde immer versuchen ihm zu helfen, wenn es in ihrer Macht stand, doch mehr war dort nicht mehr. Mehr war nie gewesen. Sie hatte sich entscheiden müssen. und auch wenn sie ab und an an Nasir gedacht hatte, so hatte sie doch Ralph geliebt. Derjedoch hatte jedwede liebevolle regung in ihr getötet mit seinem tun und Handeln. Sie zitterte leise als sie Alans letzte Worte hörte:


: „Nein. Es war richtig, zu gehen. Es war das einzig Mögliche…“

Das einzig Mögliche... es hämmerte im Takt ihres Herzschlages in ihr.. sie senkte den Kopf und flüsterte beinah lautlos: „wenn du meinst? aber ich denke, es gäbe noch andere Wege.... und zwischen Nasir und mir, da ist weniger als Nichts und... auch ich bin eine Last und keine Hilfe... aber genau das hatst du auch empfunden, nicht wahr? Das ich lästig wäre....“ eine träne stahl sich aus ihrem AUge.... „Hast du dir nie Gedanken gemact, dass gerade dein Weggang Menschen verletzen könne?

Ich habe dich so unendlich ieb, ich will bei dir sein, egal wohl... aber wenn ich dir eine unerträgliche Last bin, dann schick mich weg....!"

Sie rollte sich zusammen und schluchzte leise.
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BeitragThema: Re: Wie ein Blatt im Wind   Mo März 14, 2011 8:42 pm

Beinahe unerträglich war es, dieses leise, verzweifelte Schluchzen, das die Dunkelheit und Stille des engen Raumes füllte und ihn bis ins Innerste durchdrang. Ich habe dich so unendlich lieb, ich will bei dir sein, egal wohl... aber wenn ich dir eine unerträgliche Last bin, dann schick mich weg....!"

Schuldgefühle presste ihm das Herz ab und er schluckte schwer. Dort lag sie und weinte. Seinetwegen. Und er hatte das doch nie wieder gewollt. Ihr Kummer zu bereiten. Schuld daran zu sein, dass sie litt. Genau deshalb war er doch gegangen…deshalb und aus tausend anderen Gründen. Die alle ihre Berechtigung hatten. Immer noch.

Er wollte sie nicht verlieren. Und er wusste, früher oder später würde er es wenn sie bei ihm blieb. Sie würde gehen und sich von ihm abwenden, wenn sie erkannte wie er wirklich war. Oder es würde ihr etwas zustoßen, weil er nicht auf sie acht gegeben hatte. Schon der bloße Gedanke daran, schmerzte beinahe körperlich, war nicht auszuhalten. Die Verantwortung war zu groß und er verstand noch immer nicht, wieso sie gerade ihn ausgewählt hatte. Also war er lieber selbst gegangen. Sicher, es war feige, er machte sich keine Illusionen darüber. Doch er hatte niemals behauptet, mutig zu sein.

Er fuhr sich mit der Hand über die Augen und sah in Richtung des Geräusches. Ihr Körper war ein dunkler Schatten im hinteren Winkel des Verstecks. Es raschelte, als er durch das Stroh zu ihr hinüber kroch und sich bei ihr hinhockte. Vorsichtig streckte er eine Hand aus um sie zu berühren. Sie zitterte in der kalten Nachtluft und fand den Weg zurück in seinen Schoß noch bevor er seine Regung ausgeführt hatte. Nein. Sicher wollte sie nicht, dass er sie anfasste.

„Feli….“ er versuchte vergeblich das Zittern in seiner Stimme zu unterdrücken, „…du könntest mir niemals eine Last sein. So ist es nicht. Denn ich…ich …liebe dich doch. Aber du…aber genau deshalb…“ er atmete schnaufend durch die Nase und setzte neu an, diesmal mit fester und sicherer: „…genau deshalb möchte ich nicht, dass du bei mir bleibst. Es ist…es ist viel zu gefährlich hier. Bei Robin…im Lager wärst du einigermaßen sicher…hier jedoch…stell dir vor….das was vorhin war…es könnte jeden Tag wieder passieren und…nicht jeden Tag werden wir so viel Glück haben…ich kann dich nicht schützen…Nasir…oder Robin…sie können es…viel besser und leichter als ich…ich könnte es nicht...ertragen, wenn dir etwas geschieht..." seine Stimme brach.

Er hörte ihre Bewegung im Stroh und ein dumpfes Schniefen, ein ersticktes „Nein, das ist nicht wahr…“

Doch er fuhr hastig fort: „Ich bring dich natürlich zurück, damit du sicher bist…aber ich…ich muss erst …noch etwas Geld verdienen…morgen…vielleicht singen auf dem Marktplatz oder….etwas anderes tun….denn das Geld ist nun etwas…knapp geworden...und wir haben nichts mehr zu essen….“

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BeitragThema: Re: Wie ein Blatt im Wind   Mo März 14, 2011 8:47 pm

Sie hörte seine Worte und meinte, ersticken zu müssen. Er wollte sie zurückbringen, wollte, dass sie ging und sie meinte, es nicht auszuhalten, so sehr schmerzte ihr Herz. Ihr leiser Protest, wurde unterbunden als Alan weitersprach.

Er wollte sie zurückbegleiten. Welch ein Trost, dachte sie bitter. Willst du mich verhöhnen? Bin ich dir dazu hinterher gelaufen? Dazu, dass du mich wieder zurückbringst? Hatte sie dazu die Mühe, die Demütigungen, die Kälte, den Hunger ertragen, dass sie sich nun zurückbringen ließ?

Sie setzte sich auf, atmete schwer und bemühte sich, ruhig zu antworten: "Sicher musst du neues Geld verdienen... es tut mir leid, dass du es durch meine Schuld verloren hast... wenn
ich dir helfen kann, dann sag es mir, ich würde dir gerne zeigen, dass ich dir für deine Hilfe dankbar bin, doch... " sie schluckte und kämpfte mit sich, dann fuhr sie beinah bockig fort: "Ich lasse mich nicht zurück bringen! Ich will nicht zu Robin oder Nasir... ich würde ihnen doch eine Last sein... und wenn du mich nicht haben willst,... dann werde ich.... dann werde ich dir dennoch folgen.... und ich fürchte die Gefahr nicht... bei Robin wäre es auch nicht sicherer, sicher ist es für mich nirgends mehr, du vergisst Ralphs unversöhnlichen Hass...." sie machte eine Pause und schnaufte laut: "... wenn ich nicht bei dir sein darf, dann will ich überhaupt nicht mehr sein... ich kann auch gleich gehen und dich von meiner Anwesenheit befreien... sie erhob sich und wollte an ihm vorbei kriechen zum Ausgang... "dann wirst du vielleicht irgendwann hören, dass man eine Frau erhangen gefunden hat, oder ertrunken in den Fluten des Trent oder... !" sie schniefte und schaute sich nicht mehr um, krabbelte weiter und bemühte sich, das Brett zur Seite zu schieben..
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BeitragThema: Re: Wie ein Blatt im Wind   Mo März 14, 2011 8:59 pm

Fassungslos saß er da und merkte, wie ihm die Situation entglitt. Hatte er sie jemals im Griff gehabt? War das überhaupt möglich, mit ihr? Ihre Aufgebrachtheit, ihre aufgewühlte Verzweiflung ließ sie Dinge sagen, welche sie sicher nicht so meinen konnte. Sie wollte…ihm hinterher rennen? Ihn von ihrer Anwesenheit befreien?... sich…umbringen? Es war als realisierte er erst in diesem Augenblick wirklich, was sie gesagt hatte. Heißer Schreck durchfuhr ihn, gefolgt von Panik und einer Welle von Schuldgefühlen. Heftig fuhr er auf und stolperte halb geduckt dorthin, wo er sie rumoren hörte.

„Feli!“

Offenbar versuchte sie, das Brett vor der Öffnung zu entfernen und sie reagierte auch nicht auf seinen Ruf. Er konnte sie nicht hinauslassen, es war zu gefährlich. Schon gar nicht mit den Ideen, die sie gerade hatte. In seiner Hast packte er sie, erwischte ihren Arm und zog sie zurück. Er hörte sie leise aufschreien und ließ sie los, als ob er sich an ihr verbrannt hatte.

„Es tut mir Leid…es tut mir Leid!“, stieß er hervor, wobei er in diesem Augenblick das Gefühl hatte, sich für jede einzelne seiner Handlungen entschuldigen zu müssen, die er jemals vorgenommen hatte. Dennoch drückte er mit einer Hand fest gegen das Brett, welches sie gerade hatte lösen wollen. Er würde sie nicht gehen lassen. „Bitte bleib. Bitte. Ich möchte dass du bleibst…“ seine Stimme wurde flehend, die Sorge schnürte ihm den Hals zu, „du kannst bleiben…ich bringe dich nicht zurück, wenn du nicht möchtest, ich verspreche es dir. Ich liebe dich doch…ich will einfach nur, dass es dir gut geht…und ich verstehe nicht, wie du auch nur daran denken kannst…dir selbst etwas anzutun…“

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